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Das Kaminfeuer war wie ein Stück Leben. Bewegt und voller Unruhe und Wärme. Wie ein Menschenleben. (Seite 155)

Cover: Weihnachten auf dem Lande

 

Zum Inhalt

Emina fährt kurz vor Weihnachten hochschwanger in das Dorf, in dem der Vater ihres Kindes, mit dem sie nur eine Nacht zusammen war, wohnt. Viel weiß sie nicht, außer daß er Orgel spielt und Christoph heißt. Doch als sie ihn gefunden hat, erkennt der sie nicht. In den folgenden Tagen versucht Emina, mit sich und der Situation ins Reine zu kommen. Denn ihr Lebensgefährte ist alles andere als begeistert über das „fremde“ Kind. Es bleiben nur wenige Tage, um alles zu klären.  

 

 

 Kommentar / Meine Meinung

Das schöne Cover mit dem verschneiten Dorf sowie der Titel sprachen mich sofort an. Das Buch selbst hat mich nun etwas zwiegespalten zurückgelassen, und wieder einmal stellt sich mir die Frage, was denn ein „richtiges“ Weihnachtsbuch ausmacht.

Schnee und Kälte kommen jedenfalls genügend vor, ein Krippenspiel, das für den Heiligen Abend vorbereitet wird und damit Josef, Maria und Jesus, desgleichen. Aber damit hat es sich schon mit dem Bezug zum Religiösen, dem eigentlichen, Grund des Weihnachtsfestes; abgesehen davon, daß einige Male vom Orgel spielen in der Kirche die Rede ist. Das Buch reiht sich damit ein in die vielen modernen Bücher und Filme, die Weihnachten quasi „Entreligionisieren“.

Neben diesem Grundsätzlichen hatte ich etwas Schwierigkeiten mit dem sehr zahlreichen Personal, von dem ich mir nicht immer klar war, wer nun wer und wie mit wem verwandt ist. Für die 176 Seiten sind für meine Begriffe mehr Personen (namentlich) eingeführt, als für den Überblick gut ist. Zumal die Verwandtschaftsverhältnisse nicht immer klar sind und ich an manchen Stellen das Gefühl hatte, daß die Generationen miteinander verwechselt wurden. Aber vielleicht wollte die Autorin einfach zu viel in das Büchlein hineinpacken: viele Figuren, Seitensprung mit Folgen, Familienzwist, Schwerbehinderung (eine der Figuren hat MS), political correctness - weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.

Die Geschichte selbst ließ sich flüssig und angenehm lesen. Ich hatte bis kurz dem Ende keine Vorstellung, wie sich die Situation klären und auflösen würde. Der Spannungsbogen blieb konstant, so daß ich, trotz der beschriebenen Mängel, ständig weiterlesen wollte. Dabei ist es der Autorin gelungen, eine gewisse „wohlige Stimmung“, wie ich die von einem Weihnachtsbuch erwarte, zu erzeugen und das ganze Buch über durchzuhalten.

Obwohl das Buch in dieser Hinsicht meine Erwartungen erfüllt hat, bleibt ein Rest Unzufriedenheit zurück. Neben dem schon Erwähnten trägt dazu auch bei, daß zumindest für eine der Figuren das Ende recht abrupt kommt und ich das Gefühl hatte, das ist nicht ganz auserzählt, zum Anderen auch das Krippenspiel und der Gottesdienst nicht verdecken, daß es zwar um Familie und Versöhnung geht, das aber recht säkular, fast hätte ich „in mancher Hinsicht politisch korrekt“ geschrieben, verstanden wird. Da half mir auch nicht, daß manches im Buch symbolisch auf jenes erste Weihnachten vor rund zweitausend Jahren hindeutete. Wobei ich erwähnen möchte, daß die Motive „Familie“ und „Versöhnung“ durchaus in passender und angemessener Form vorkamen und verarbeitet wurden. Dennoch scheint mir der ursprüngliche Geist der Weihnacht im Laufe der Jahre verloren gegangen zu sein. Wohlige Stimmung alleine ist am Ende doch zu wenig.  

 

Kurzfassung

Eine gut und angenehm lesbare Geschichte, die mich aber nicht ganz überzeugen konnte und von der ich mir (noch) nicht sicher bin, wie gut sie mir gefallen hat.  

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Über die Autorin

Martina Bick wurde 1956 in Bremen geboren und hat Philosophie, Musikwissenschaft und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Universität Hamburg studiert. Sie ist als Musikwissenschaftlerin und Autorin tätig.  

Bibliographische Angaben

176 Seiten, gebunden.
Rütten & Loening Verlag, Berlin 2013