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Pretty. It looks like Bedford Falls in that movie you like so much - the one with the angel named Clarence.* (S. 6)

 

Cover: Season For MiraclesZum Inhalt

Emilie Dalton wollte nicht schwíndeln. Nachdem sie mit ihren zwei Nichten und ihrem Neffen aus Boston vor den Behörden geflohen ist, gab ihr Auto in einer kleinen Stadt im Staat New York den Geist auf. Die einzige freie Bleibe, die sie finden konnte, war ein seit Jahren unbewohntes Haus. So begann für Emilie und die Kinder das verzweifelte „Versteck-Spiel“, mit dem sie alle täuschte, einschließlich dem lokalen Polizeioffizier Nathan Bishop, denn man hält sie für die rechtmäßige Hauseigentümerin.
Nathan war niemand, der fremden Menschen leichtfertig Vertrauen schenkte, doch bei Emilie war das anders. Hier trafen zwei Menschen aufeinander, die sich tief in ihrem Herzen nach Liebe, Verständnis und einem geregelten Leben sehnten. Etwas, was Nathan verloren gegangen war, was Emilie nie zuvor besessen hatte. Wenn die Wahrheit ans Tageslicht käme, würde das ihr kurzes Glück gnadenlos zerstören.
Doch dies ist ein Weihnachtsbuch, und wir befinden uns nicht in irgendeinem Städtchen, sondern in Bethlehem/NY. In der Zeit zwischen Thanksgiving und Weihnachten. Es ist die Zeit der Wunder ...

 

Vorbemerkung

Die gespoilerte Textstelle (durch "[ ]" markiert) verrät wesentliche Inhalte des Buches. Um diese Stelle lesen zu können, bitte einfach mit gedrückter linker Maustaste darüber fahren (die Stellen quasi markieren). Der Text wird dann lesbar.

 

Meine Meinung

Auch dieses Weihnachtsbuch gibt es nicht auf deutsch, und auch dieses war zum Zeitpunkt, als ich es suchte, schwierig zu bekommen. Ob allerdings ein Heile-Welt-Buch wie dieses in Deutschland eine echte Chance hätte, da bin ich mir nicht so ganz sicher. Jedenfalls gehört es zu meinen Lieblingen für die Weihnachtszeit. Wer es lesen will, muß sich mit der (inzwischen allerdings auch vergriffenen, jedoch gebraucht noch zu findenden) englischen Originalausgabe behelfen. Ich empfinde das Buch als recht leicht lesbar und es sollte (mit Schulenglisch und einem Lexikon) keine allzu großen Probleme bereiten.

Um es gleich vorweg zu sagen: viele werden das Buch nicht mögen. Denn es ist einfach nur schön. Die Guten sind gut, richtig Böse tauchen nicht auf (werden höchstens am Rande mal erwähnt), der Zufälle sind viele, der guten Auflösung von Schwierigkeiten noch mehr. Die Geschichte entwickelt sich langsam, sehr langsam. Wer also Action und viel Handlung erwartet, wird das hier nicht finden. Die Protagonisten werden von der Macht des Schicksals voll getroffen, und geraten letztlich doch nicht unter die Räder, sondern - der Titel deutet es an - am Ende ist alles richtig schön (teilweise vorhersehbar) gut. Wie gesagt, nichts für Weihnachtshasser, Bedenkenträger, die-kalte-Realität-im-Buch-suchende und was dergleichen mehr Menschen sind.

Aber so richtig geeignet, wenn man sich in eine Geschichte, die in der Vorweihnachtszeit in einer kleinen Stadt mit dem sinnigen Namen Bethlehem spielt und am Heiligen Abend zu ihrem Höhepunkt und Ende findet, versenken, die Welt um sich herum vergessen und sich zur Einstimmung aufs Fest verzaubern lassen möchte. Oder den Zauber (den Geist?) der Weihnacht etwas über die eigentlichen Tage hinaus retten will. Um Bethlehem/NY nach 405 Seiten mit dem Gefühl tiefer innerer Ruhe und Frieden zu verlassen.

Der einzige Kritikpunkt betrifft das Gerichtsverfahren gegen Ende des Buches. [ Nathan kommt noch in den Saal, fest überzeugt, gegen Emilie und stur nach dem Buchstaben des Gesetzes auszusagen. Als er dann ein paar Minuten später im Zeugenstand ist, sagt er für sie aus. Dieser Meinungsumschwung wird zwar im Buch vorbereitet und auch schon begründet, war also zu erwarten, kommt mir aber zu schnell. Da hätten ein paar Sätze zu seinen Gedanken, was ihn letztlich dazu bewogen hat, seine Meinung zu ändern, gut getan. Andererseits entspricht das Lesetempo durchaus der Handlung. Die Zeit, die langsam verstreicht, braucht viel Platz im Buch. Die Verhandlung geht relativ schnell und zügig, so auch der Stil. ]

So nebenbei klingen aber auch ein paar ernstere Probleme durch, deren Behandlung man durchaus als Gesellschaftskritik verstehen könnte. Behörden geben immer gerne vor, „zum Wohle des Kindes“ zu handeln. Doch bisweilen stellt sich die Frage, ob es nicht „zum Wohle der Vorschriften und Vorgesetzten auf Kosten des Kindes“ heißen müßte. Weil sich das Wohl eines Kindes nicht immer zwischen zwei Aktendeckel und in Vorschriften pressen und dadurch definieren läßt. Und weil es „zum Wohle des Kindes“ nicht immer ausreichend ist, einfach zuzusehen, was draußen in der Welt so passiert und dann, wenn einem etwas nicht paßt, einfach einzugreifen ohne Rücksicht darauf, daß es sich um Menschen handelt, und ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, daß man manche mißliche Situation mit einem kleinen bißchen Hilfe hätte vermeiden können. Oder wie das an einer Stelle im Buch heißt: “All she needed was a little help. Instead, the court chose to break up her family and do God knows what kind of harm to those kids.“ **(Seite 387)
Es geht (etwas überspitzt gesagt) um die alte Frage, ist der Mensch für das Gesetz oder das Gesetz für den Menschen da?

Und schließlich stellt sich auch die Frage von Vertrauen und dem Mißbrauch desselben. Und des Umgangs damit.

Im früheren Leben beider Protagonisten - Emilie wie Nathan - ist eine Menge schief gelaufen. Meist verursacht durch andere, bzw. die „Umstände“. Beider Geschichte wird immer wieder in Rückblenden erzählt, so daß sich das Puzzle zusammenfügt. Weshalb Nathan nach Bethlehem gekommen ist, warum er alleine ist, und weshalb er niemandem mehr vertraut. Warum Emilie mit den Kindern ihrer drogen- und alkoholsüchtigen Schwester von Boston fliehen mußte, nach Hause in die Südstaaten, in Bethlehem strandet und einschneit. Sie, die solche Schneemassen noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Sie, die immer für sich selbst sorgen konnte und nun gezwungen ist, die Hilfe von fremden Menschen anzunehmen. Sie, die alles für die Kinder tun würde und tut, die deswegen Gesetze gebrochen hat; er, der Vertreter des Gesetzes, dessen Vertrauen vor Jahren schwer mißbraucht und der sich deswegen bewußt für ein Leben alleine entschieden hat.

Aber auf Dauer geht das nicht gut. Irgendwann kommt die Wahrheit ans Tageslicht, bricht das Lügengebäude zusammen. Das ist der Zeitpunkt, an dem der Mensch zum Vorschein kommen wird. An dem es nicht mehr möglich ist, vor der eigenen Vergangenheit, vor dem Sich-der-Vergangenheit-Stellen zu entfliehen, an dem man sich der Vergangenheit, der Gegenwart, den Konsequenzen stellen muß.

Doch wir ahnen es schon. Es ist die Zeit der Wunder. Und wir sind in Bethlehem, dem Ort, in dem Engel wirken. Bisweilen ganz real. Pretty. It looks like Bedford Falls in that movie you like so much - the one with the angel named Clarence.* (Seite 6)

Aber letztlich ist es egal, ob ein Engel Flügel hat oder nicht, in einer Gaststätte, einer Bar oder auf dem Rathaus arbeitet. Denn es ist die Zeit der Wunder - Season for Miracles.

 

Mein Fazit

Eine zauberhafte Weihnachtsgeschichte über eine Stadt voller Wunder, in der wunderbare Menschen wohnen.

 

Über die Autorin

Über die Autorin selbst habe ich nicht sehr viel gefunden - überall der gleiche Text mit wenig Inhalt. Sie hat über 40 Bücher, welche meist im „Romance-Bereich“ angesiedelt sind, geschrieben und die eine Gesamtauflage von über 4 Millionen Exemplaren erreicht haben. Sie erscheint regelmäßig auf den Bestsellerlisten (wohl der USA) und hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten. Ihr Mann war bei der US Navy, wodurch sie immer wieder innerhalb der USA umgezogen ist. Derzeit lebt sie mit ihrem Mann in Oklahoma; die beiden haben einen Sohn.

Sinngemäße Übersetzungen und Bibliographische Angaben

* = Schön. Es sieht aus wie Bedford Falls in dem Film, den du so gerne magst - dem mit dem Engel namens Clarence.
** = Alles was sie brauchte war etwas Hilfe. Stattdessen beschloß das Gericht, ihre Familie zu zerstören und den Kindern wer weiß was anzutun.

406 Seiten, kartoniert (Taschenbuch)
Verlag: Warner Books, New York. ISBN 9780446603560

Ursprünglich geschrieben (und hier weitgehend unverändert wiedergegeben) am 30. Dezember 2007

 

   
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