Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Man kann sich die Zeiten, in denen man lebt, nicht aussuchen. Man kann nur versuchen, sie ein wenig zu ändern, während man hier ist. (Levi Zendt, 8. Folge)

 

Cover: Colorado Saga Box 2Zum Inhalt

Mit Ankunft der Rinder beginnt der Wandel. Die Venneford-Ranch wäschst und gedeiht. In den 80er Jahren trifft das Schauspielerehepaar Wendell mit Sohn Philipp in Centennial, wie die ehemalige Siedlung „Zendt’s Farm“ inzwischen heißt, ein - und mit ihr eine völlig neue Denk- und Handlungsart. Mit unsauberen Methoden, die sie nach dem Tod des Sheriffs unkontrolliert weiterbetreiben können, bauen sie sich ein Immobilienimperium auf. Die Farm des Hans Brumbaugh wie der Schafzuchtbetrieb von Messmore Garrett entwickeln sich ebenfalls weiter, trotz Streitigkeiten untereinander. Aber wer von den Eingesessenen wie Neuzugezogenen wird sich durch die Jahrzehnte hindurch behaupten können, durch zwei Weltkriege, Stürme, Unwetter, Trockenheit und eine Depression hindurch? Auch in Centennial stehen die Zeichen immer wieder auf Wandel. Ob zum Besseren, bleibt abzuwarten.  

 

 

Vorbemerkung

Die gespoilerte Textstelle (durch "[ ]" markiert) verrät wesentliche Inhalte des Filmes. Um diese Stelle lesen zu können, bitte einfach mit gedrückter linker Maustaste darüber fahren (die Stellen quasi markieren). Der Text wird dann lesbar.

 

Kommentar / Meine Meinung

Lame Beaver - wer erinnert sich noch an ihn, wer weiß überhaupt, daß es ihn einst gegeben hat? Und doch prägt die Entscheidung, daß seine Tochter Clay Basket den Trapper Pasquinel heiraten soll, bis jetzt, knapp einhundertachzig Jahre später, den Lauf der Geschehnisse. Denn ohne diese Entscheidung hätte es weder die Pasquinel-Brüder noch Lucinda, die spätere Frau des ebenfalls längst verblichenen Levi Zendt - des Gründers von Centennial - gegeben. Die Geschichte hätte einen völlig anderen Verlauf genommen, wenn nicht jener Indianer kurz vor seinem Tod seine Tochter versorgt wissen wollte.

Innerhalb der Serie bildet die achte Folge einen Wendepunkt, einen Bruch. Mit ihr geht die „alte Zeit“ endgültig zu Ende und eine neue bricht heran. Die Frontier wird geschlossen, die Zivilisation (oder das, was man gemeinhin dafür hält) breitet sich aus. Ob das aber ein Fortschritt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls war diese ganze Folge auf Bruch, auf Abschied angelegt. Immer wieder gab es Rückblicke, kamen Szenen aus längst verflossenen Tagen in den Blick, um schließlich in dem „Finale“ mit der Beerdigung eines der letzten aus eben jenen alten Tagen zu enden. Die Worte des Pfarrers in Verbindung mit den Bildern haben auf bewegende Weise eine Epoche zu ihrem Abschluß gebracht. Die Zeiten haben sich geändert, die Welt ist nicht mehr, wie sie war. Und ob das Kommende besser wird, bleibt abzuwarten.

Denn die Wendells sind in Centennial eingetroffen, und mit ihnen eine neue Art von Leben, Einstellung, Art Geschäfte zu betreiben. Eine sehr moderne Art, die buchstäblich über Leichen geht. Dies fortgeführt gipfelt in der Jetztzeit in Morgan Wendell und einer Art Politik zu betreiben, wie sie uns nur zu bekannt sein dürfte. Selten fand ich moralisch fragwürdige „Grundsätze“ so pointiert dargestellt wie in dieser Serie. Und plötzlich erschien mit der Ausdruck von der „guten alten Zeit“ in völlig neuem Licht. Denn vielleicht gab es sie doch, diese „gute alte Zeit“. Der Unterschied zu heute mag sein, daß man seinerzeit lernen mußte, wem man vertrauen konnte (und durfte) und wem nicht. Mit Leuten wie den Wendells begann die Moderne. Und nun muß man lernen, daß man niemandem mehr vertrauen kann.

Schade ist, daß dann ab etwa 1910 in teilweise sehr großen Sprüngen vorangeschritten wird und ganze Generationen ausgelassen werden. Die Zeit zwischen etwa 1935 und 1978 fehlt völlig. auch treten „verdiente Figuren“ einfach so, wie nebenbei, ab. Sie sind schlicht und ergreifend nicht mehr da. Das hat mich bei einigen doch etwas irritiert und gestört. Da begleitet man sie teilweise ein Leben lang, und dann sind sie einfach fort. [ Etwa die ganze Familie Zendt. Daß Levi stirbt, bekommen wir mit. Lucinda wird eine alte Frau, aber weder wissen wir, wann sie stirbt noch was aus den beiden Kindern wird. Oder die Familie Brumbaugh - was wird aus ihr nach dem Tod von Hans Brumbaugh? ] Das Schicksal dieser später kommenden Figuren berührt nur relativ wenig, man hat eine größere Distanz zu ihnen. Ob das beabsichtigt ist, quasi als Parallele zu den sich verändernden Zeiten, als Symbol für etwas verloren Gegangenes? 

Nicht zuletzt diese Löcher tragen vermutlich dazu bei, daß die Serie im letzten Drittel im Vergleich zu den früheren Folgen abflacht. Werden die Geschichten der verflossenen Protagonisten sehr ausführlich und mit viel Empathie geschildert, tauchen sie später teilweise nur noch in Nebensätzen oder kurzen Szenen auf. Erst die letzten Vertreter der Familien Wendell und Garret (=Lloyd, Venneford Ranch) gewinnen wieder an Profil und Statur, weil diese die 12. Folge dominieren. In beiden stehen sich (vereinfacht ausgedrückt) die Gegensätze „höchstmöglicher Profit ohne große Rücksichtnahme auf Nebensächlichkeiten wie Erschöpfung der Vorräte“ und „Nur soviel nehmen, daß das System (= die Erde) weiter überleben und allen das Überleben sichern kann“ gegenüber. Das ist durchaus streckenweise etwas plakativ, holzschnittartig. Und an manchen Stellen wirkte es auf mich etwas überladen, was man alles an „Botschaft“ in diese Schlußfolge stecken wollte - bis hin zum Umgang mit den Native Americans damals und heute. In einer Szene scheint man mir, auf die seinerzeitige (noch) aktuelle Entwicklung von  Wounded Knee anzuspielen. Aber nichtsdestotrotz heute, über dreißig Jahre nach den Dreharbeiten, sind die Themen so aktuell wie damals. Vielleicht - bzw. wahrscheinlich - aktueller denn je. Leider.

Die zwölf Folgen haben jedenfalls meine Einstellung zum amerikanischen Westen und dessen Geschichte verändert. Dadurch, daß mit dem Auftauchen des ersten Weißen bei den Indianern beginnend eine durchgehende Entwicklung beschrieben wurde, erscheint mir vieles nun in ganz anderem Licht, ganz anderer Bewertung. Ich glaube, ich werde nie mehr einen Western mit einem Viehtrieb, oder dem Thema des Open Range sehen können, ohne an die Colorado Saga und die hier beschriebenen Entwicklungen zu denken. Auch ist mir durch die Erzählung hier klar geworden, wie eigentlich diese riesigen Ranchen entstanden sind bzw. erst entstehen konnten. Auch daß selbst in einer Stadt im sogenannten Wilden Westen der Sheriff nicht unbedingt immer mit Pistolengurt herumgelaufen ist, weiß ich jetzt. ;-)

Die Serie selbst hatte seinerzeit nicht den erhofften Erfolg, was auch damit zusammenhängen mag, daß die US-Erstausstrahlung sich über einen Zeitraum von rund fünf Monaten hinzog. (Ich habe alle Teile jetzt in weniger als vierzehn Tagen angesehen.) Ob das aus diesem Grund ist oder, weil man einen Gesamtzusammenhang herstellen wollte - jedenfalls hat mich die Schlußfolge dramaturgisch etwas an die achte erinnert. Nicht, weil hier die Rahmenhandlung aus dem Buch einbezogen wurde, sondern weil es sehr viele Rückblenden zu wichtigen Ereignissen früherer Tage gibt. Ob es erstaunlich sein sollte, wie viel man heute noch von den Anfängen weiß, sei dahingestellt. Jedenfalls sind sie alle nochmals aufgetaucht, wie um sich in Erinnerung zu rufen und zu verabschieden. So wird der große, abschließende Bogen gespannt von den Anfängen bis in die Jetztzeit.

Am Ende der Serie angekommen ist manches naturgemäß offen, aber eines klar: auch die Generation, die jetzt Centennial bewohnt, wird sterben. Irgendwann. Denn heute wie damals gilt das alte indianische Sprichwort: Only the rocks live forever / Nur die Steine leben ewig. Aber auch, wie Paul Garret es ausdrückt: Die Besten werden überleben. Als Legenden

 

Kurzfassung

In den letzten Folgen etwas schwächer, dennoch insgesamt eine überaus beeindruckende Saga über ein Land und seine Bewohner über den Zeitraum von zweihundert Jahren. (Mehrfach) sehenswert.  

 

Angaben zu Film und DVD

Hier die Folgen 1 - 6: Colorado Saga / Centennial - Folgen 1 - 6

Originaltitel: Centennial
Regie: Virgil W. Vogel, Harry Falk, Bernard McEveety
Darsteller: William Atherton, Timothy Dalton, Cliff De Young, Andy Griffith, Gregory Harrison, David Janssen, Alex Karras, Brian Keith, Adrienne Larussa, Lois Nettleton, Cristina Raines, Lynn Redgrave, Robert Vaughn, Anthony Zerbe, u. v. a.
Sprachen: Deutsch / Englisch (Mono). Deutscher Ton fehlt in den für die seinerzeitige TV-Ausstrahlung herausgeschnittenen Szenen, diese sind deutsch untertitelt
Bonusmaterial: Memories of Centennial (zu den Dreharbeiten) ca. 18 min., Trailer, Bildergalerie, Biografien
Laufzeit: ca. 600 Minuten; FSK ab 12 Jahren
Erschienen: Film: 1978 / DVD: 2009
Regionalcode / Format: 2 / PAL

   

James, Syrie Die geheimen Memoiren der Jane Austen

„Ich glaube inzwischen“, sagte Cassandra, „dass zumindest in den Kreisen des niederen Landadels die romantische Liebe eher gepredigt als tatsächlich gelebt wird.“ (Seite 103)

 

Cover: Die geheimen Memoiren der Jane AustenZum Inhalt

Die Romane der Jane Austen erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit. Kein Wunder, wenn Leser sich auch für das Leben der Autorin interessieren und sich vor allem immer wieder fragen, ob Jane Austen denn auch praktische Erfahrungen mit der Liebe gesammelt hat.
Dieser Frage geht die Autorin in ihrem Roman nach, in welchem sie die Jahre 1809 bis 1811, über die nicht viel bekannt ist, im Leben der Jane Austen „rekonstruiert“. Hat sie in dieser Zeit etwa „ihren Mr. Darcy“ getroffen?

Weiterlesen ...
   

Gray, Shelley Shepard: Forgiven

God never promised us an easy life, and I don’t think I need an easy life - just one I can feel good about.* (Seite 53)

 

Cover: ForgivenZum Inhalt

Ein Feuer zerstört die Scheune der Lundys, Winnie wird dabei verletzt und muß für einige Tage ins Krankenhaus. Samuel Miller, der vor einigen Jahren die Amischgemeinde verlassen hat (bzw. nicht beitrat), lehrt an der Universität und wohnt praktisch neben dem Krankenhaus. Damit Winnie nicht alleine ist, kümmert er sich um sie. Als sie einige Tage später aus dem Krankenhaus entlassen wird, stehen beide vor einer schwierigen Entscheidung: wenn es ein gemeinsames Leben geben soll, muß einer von ihnen sein jetziges aufgeben.
Währenddessen hat Jonathan, dessen Scheune niederbrannte, ganz andere Probleme. Sein Glaube und seine Gemeinde erwarten von ihm, daß er dem (oder der), der das Feuer verursacht hat, vergibt. Aber wie kann man jemandem vergeben, wenn sich dieser weder zu erkennen gibt noch die Verantwortung übernimmt?
Und dann steht natürlich immer noch die Hochzeit von Anna und Henry bevor. Mit einem geruhsamen Leben ist es bei den Brennemans und Lundys jedenfalls vorerst nichts.  

Weiterlesen ...
   

Theißen, Gerd: Der Schatten des Galiläers

 

Cover: Der Schatten des GaliläersZum Inhalt


Die Rahmenhandlung ist fiktiv: ein junger Jude, Andreas mit Namen, wird von Pilatus dazu erpreßt, Material über neue religiöse Bewegungen in Palästina zu sammeln. Dabei stößt er auf Jesus und reist ihm hinterher. Aus Erzählungen über Jesus rekonstruiert er dessen Leben. Dabei begegnet er ihm nie selbst, sondern verpaßt ihn immer wieder und ist gezwungen, Informationen von Menschen zu sammeln, die ihm begegnet sind.
Verkündigung und Geschick Jesu werden aus der Perspektive eines jüdischen Zeitgenossen dargestellt und im Rahmen der religiösen und sozialen Welt des Judentums verständlich gemacht.
Im Anhang werden wichtige Quellen zu Jesus und seiner Zeit kurz vorgestellt; auch findet sich dort eine Karte.

 

Weiterlesen ...
   

Leichsenring, Claus: Weihnachtspyramiden des Erzgebirges

 

Cover: Weihnachtspyramiden des ErzgebirgesZum Inhalt

Claus Leichsenring, Fachmann für erzgebirgische Volkskunst und Autor zahlreicher Fahcbeiträge und Bücher, gibt mit dieser Publikation einen umfassendenÜberblick über die Entwicklung und gestalterische Vielfalt der Pyramide, wie sie im sächsischen Erzgebirge üblich ist.

Dem Leser werden in Wort und Bild wissenswerte Aspekte zu Vorläufern, Verbreitungsgebiet, Grundtypen, Lichtquellen, Antrieben, Pyramidenfiguren, Materialien sowie zu gestalterischen Besonderheiten der Weihnachtspyramide vermittelt. Weitere Kapitel über Schnitt- und Bastelvereine und die Entwicklung der gewerblichen und industriellen Pyramidenherstellung sowie über die Ortspyramiden runden die interessante Darstellung ab.

 

Weiterlesen ...
   

Austin, Lynn: Rhapsodie der Freundschaft

Cover: Rhapsodie der FreundschaftZum Inhalt

Michigan 1941. Vier Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten:
Virginia ist mit Leib und Seele Hausfrau und Mutter. Doch sie sehnt sich nach Anerkennung ihrer Arbeit durch ihre Familie. Die frisch verheiratete Rosa will der Mißbilligung ihrer Schwiegereltern entkommen. Doch was soll die lebenslustige New Yorkerin ohne ihren Mann in der Einöde des Westens mit sich anfangen? Helen leidet unter ihrer Einsamkeit als alleinstehende, ältere Frau. Ihr Reichtum kann ihr nicht das geben, wonach sie sich sehnt. Jean, die Jüngste, träumt davon zu studieren und mehr aus ihrem Leben zu machen. Muß sie dafür auf eine eigene Familie verzichten?
Der Angriff auf Pearl Harbor erschüttert die Lebensentwürfe der Frauen. Ihre Arbeit in einer Schiffswerft führt sie zusammen. Mit der Zeit wird dem ungleichen Quartett bewußt, daß sie trotz aller Unterschiede einander viel Kraft und Hoffnung schenken können - als Freundinnen. So gewinnen sie wertvolle Erkenntnisse über sich selbst, das Leben, die Liebe und den Glauben.

Weiterlesen ...