Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Wir haben vermieden, die herausfordernde Schrift Wagner's "das Judenthum in der Musik" und die zahlreichen Entgegnungen seiner gekränkten Bewunderer und Gegner zu besprechen, obgleich beide Parteien Veranlassung zu heiterer Kritik gaben. Wir halten aber gegenwärtig einen ernsten Angriff auf ds jüdische Wesen unter uns nach keiner Richtung für zeitgemäß, nicht in Politik, nicht in Gesellschaft, nicht in Wissenschaft und Kunst; denn auf allen diesen Gebieten sind unsere Mitbürger israelitischen Glaubens werthe Bundesgenossen nach guten Zielen, auf keinem Gebiete sind sie vorzugsweise Vertreter einer Richtung, welche wir für gemeinschädlich halten müssen. Es hat Jahre gegeben, in denen die Stimmführer einer wüsten Demokratie zum großen Theile junge Männer jüdischen Glaubens waren - wir wissen wohl warum -, jetzt bilden weit andere Elemente die äußerste Linke, welche aus den arbeitenden Classen der christlichen Bevölkerung heraufdringt. In Handel und Verkehr galten lange Zeit die Juden für die Hauptspeculanten bei gewagten Börsengeschäften und einem großartigen Geldwucher; sie haben auch diesen Ruhm an Christen abtreten müssen, es sind bei uns jetzt Fürsten und Häupter alten Landadels, welche unsolide Geldgeschäfte begünstigen, den Unternehmergewinn einziehen und die Actionäre durch ihren Namen verlocken; die Rothschilds sind beinahe auf den Standpunkt altfränkischer Geschäftsleute zurückgedrängt und angesehene jüdische Firmen unserer Hauptstädte gehören zu den ehrbarsten Gegnern des neuzeitlichen Actienschwindels. In unserer Poesie und Literatur war an den Nachtretern von Börne und Heine eine Richtung zu bekämpfen, welche in dem Bestreben, witzig zu sein, frech gegen die Kunst und unsere gesellschaftliche Lebensordnung wurde; auch diese Verirrung einer schwachen und begehrlichen Zeit ist durch den politischen Enrst der Gegenwart überwunden. Selbst der kleine unartige "Kladderadatsch" hat seine großen Augenblicke, wo er sich patriotischer Wärme nicht entschlägt.

Es sind jetzt ungefähr hundert Jahre her, seit Moses Mendelssohn in Berlin nur darum gedulet wurde, weil er im Manufacturgeschäfte des reichen Schutzjuden und Seidenfabrikanten Bernard beschäftigt wurde, und wo Abba Glotzk, der jüdische Philosoph aus Polen, auf der Landstraße vor Hunger umkam, weil ihn die rechtgläubigen Juden verflucht, gebannt, gegeißelt und seiner geschriebenen Werke beraubt hatten. Wer mit erhebendem Gefühl die Fortschritte unserer Nation in den letzten hundert Jahren betrachten will, der möge vor Allem auf die Wandlungen blicken, welche unsere jüdischen Mitbürger unter der befreienden Einwirkung moderner Bildung gemacht haben. Sie selbst haben jedes Recht, sich ihrer energischen Lebenskraft und Bildungsfähigkeit zu freuen; auch wir dürfen mit einiger Befriedigung sagen, daß nur noch die letzten Überreste alter Ueberlieferung und Unduldsamkeit zu überwinden sind, um die Herzen und Geister der deutschen Juden völlig in unser Volksthum einzuschließen. Es ist natürlich, daß während dieser Uebergangszeit in ihrem Wesen hie und da noch Auffallendes oder nicht Löbliches zu Tage kommt, und sie müssen es sich gefallen lassen, wenn solche Schwächen und Verkehrtheiten aus der Zeit der Unfreiheit gelegentlich einmal mit und ohne Laune als jüdische Eigenthümlichkeiten besprochen werden. Wir werden freilich auch natürlich finden, wenn sie gegen solche Besprechung besonders empfindlich sind, denn sie ringen immer noch nach Sicherheit ihrer gesellschaftlichen Stellung und fühlen immer noch die Nachwehen des harten Druckes, welcher zur Zeit unserer Großväter auf ihnen lag.

Die Juden haben auch in der Zeit ihrer Unfreiheit unserer Wissenschaft und Kunst unter sehr ungünstigen Verhältnissen eine große Zahl bedeutender Namen geliefert. Wenn wir nur bis auf Baruch Spinoza zurückblicken, wie lang die Reihe starker Talente aus ihren alten Familien! Es ist nicht schwer, bei einer großen Anzahl derselben gewisse gemeinsame Eigenthümlichkeiten zu erkennen, sowohl an den Vorzügen, welche sie besitzen, als an dem, was sie entbehren, und die Versuchung liegt nahe, dies Besondere als jüdische Art gegenüber der germanischen zu fassen. Aber wir haben Ursache, mit Mißtrauen auch auf solche Schlüsse zu sehen, welche eine vorurtheilsfreie Betrachtung dieser Eigenthümlichkeiten nahe legt, denn es ist menschlicher Einsicht unmöglich, zu entscheiden, was dem Wesen der Juden an sich, immer und für alle Zeit von Vorzügen und Schwächen zugetheilt ist, und was nur deshalb häufig in ihrerm Geschlecht zu Tage kommt, weil sie sich alle aus einem unsicheren politischen und socialen Dasein und aus einem Bildungskreise, der noch nicht ganz der unsrige ist, heraufgearbeitet haben.

Es liegt nahe, eine häufig wiederkehrende übergroße Freude an Wortwitz und sophistischer Beweisführung als letzten Ueberrest einer Geistesrichtung aufzufassen, welche durch die tausendjährige Beschäftigung mit der spitzfindigen Dialektik alter Religionslehrer und und durch massenhaftes Auswendiglernen ihrer Erklärungen in die Seelen der Juden gekommen ist; aber die scholastische Weisheit des Talmud ist keineswegs eine Blüthe rein jüdischen Wesens, die Pedanterie der Byzantiner und die hölzerne Scholastik mittelalterlicher Klöster haben fast genau dieselbe Art der Erörterung, der Beweisführung, der Begriffsbestimmungen hervorgebracht und diese wunderliche Bildung dauerte bei den Jüden nur länger und einflußreicher; sie wurde ebenso sehr durch den Haß der Christen erhalten, als durch die enge Verbindung mit dem jüdischen Gottesdienst. - Es ist ferner leicht zu beobachten, daß auch dem warmen und ehrlichen Gefühl unserer jüdischen Landsleute sehr häufig der reiche und schöne Ausdruck fehlt, und daß sie, gemüthlich erregt, zwar herbes leidenschaftliches Pathos finden, daß ihnen aber der Ausdruck inniger und schöngewogener Empfindung in Worten und Tönen, in plastischem Ausdruck, in mimischer Gestaltung besonders schwer wird, und daß sie aus der Befangenheit starker Eindrücke sich durch einen störenden Witz, eine kalte Betrachtung zu befreien lieben. Dem armen Dawison gelang nie, als Carlos im Clavigo die letzten beiden Worte seiner Rolle, die große Probe für Charakterspieler, gut herauszubringen, und Heine, der so meisterhaft verstand, die herzinnigen Klänge des deutschen Volksliedes in moderne Empfindungsweise umzusetzen, vedarb sich oft die reinen Wirkungen durch die abgeschmackten Mißklänge, welche ihm für originell galten. Es ist endlich keine neue Beobachtung, daß der Scherz und der Tiefsinn unserer jüdischen Freunde echter Fröhlichkeit und des befreienden Humors häufig ermangeln. Aber wer darf sagen, daß voller Ausdruck schöner Empfindung ihrer nationalen Anlage versagt ist, da ihr hartes Erdenschicksal sie bis zur Gegenwart zwang, ihr ganzes kräftiges Gemüthsleben vor Haß und Spott heimlich im verschlossenen Hause zu bergen, und wie sollte die heitere Liebe zum Leben und das kräftige sichere Behagen, die Grundlagen alles Humors, in eimem gedrückten und verfolgten Geschlechte gedeihen? Uns scheint, daß es ehrlicher und christlicher wäre, die tüchtigen Seiten des jüdischen Wesens, welche sich in einem langen Jahrtausend der Unfreiheit und Absonderung ausgebildet haben, auf Rechnung ihrer nationalen Kraft zu schreiben, als da eine nationale Unkraft zu schelten, wo die werthvollen Leistungen Einzelner unter ihnen etwa gemeinsame Mängel erweisen. Solche Behauptung beruht auf allzu unsicheren Annahmen, um mit feierlichem Ernst öffentlich ausgesprochen zu werden, sie kann jeden nächsten Tag durch eine bedeutsame Thatsache widerlegt werden.

Wir haben gar nicht die Absicht, zu untersuchen, ob jüdische Componisten und Virtuosen, welche dem Zuge der Zeit ebenso folgten wie die Christen, der neuzeitlichen Musik mehr Segen oder Unsegen gebracht haben. Denn wir Nichtjuden haben auch in der Musik das Recht verloren, unseren jüdischen Künstlern Einseitigkeiten vorzuwerfen, und zwar befürchten wir, daß gerade Herr Wagner in seinen eigenen Werken die Eigenthümlichkeiten und Schwächen, welche nicht selten an jüdischen Künsterln getadelt worden sind, in höchst ausgezeichneter Weise an den Tag gelegt hat, wenn er dieselben auch ein wenig anders aufgeputzt zeigt, als seine Vorgänger. Im Sinne seiner Broschüre erscheint er selbst als der größte Jude. Die Effecthascherei, das anspruchsvolle und kalt überlegte Streben nach Wirkungen, welche nicht durch sicheren Kunstgeschmack hervorgebracht werden, der Mangel an Fähigkeit, musikalischer Empfindung ihren melodischen und harmonischen Ausdruck rein und voll zu geben, die übergroße, nervöse Unruhe, Freude am Seltsamen und Gesuchten, das Bestreben, durch witzigen Einfall und äußerliche Kunstmittel die gelegentliche Schwäche seiner musikalischen Erfindung zu decken, dazu selbst das große Talent für raffinirte Regie der Effecte, endlich hinter Allem statt eines sichern, starken Künstergemüths, in welchem die Form mit dem Inhalt mühelos sich ausbildet, unerzogene Anmaßung eines eigenwilligen Dilettanten, welcher begehrlich über die Grenzen seiner Kunst hinausfährt und Gesetzen der Schönheit auch deshalb widerspricht, weil er ihnen zu folgen außer Stande ist; ein abenteuerlicher Sinn, der im Ungeheuerlichen Befriedigung sucht, unbekümmert darum, ob durch seine Arbeit Sänger, Orchester und der schöne Gesammtbau des musikalischen Dramas verwüstet werden. Solche Schwäche und Unart finden wir überall in seinen Werken neben Theilstücken von wahrhaft schöner, zuweilen wahrhaft hinreißender Erfindung. Diese Beschaffenheit seiner merkwürdigen und für unsere Musik verhängnisvollen Begabung scheint uns gerade eine solche zu sein, welche in seinem Sinne als eine dem Judenthum eigenthümliche aufgefaßt werden müßte. Da nun Herr Wagner keineswegs der Meinung sein wird, daß er selbst zu dem Judenthum in der Musik gehöre, so haben wir Andern zuverlässig, alles Recht verloren, von Beschränktheiten der jüdischen Musiker zu sprechen. Und das scheint uns der Humor bei dieem langen Streit um Kaisers Bart.

 

Aus den "Grenzboten" 1869, Nr. 22

   

Coldsmith, Don: Die Rückkehr des großen Mondes (Spanish Bit Saga 4)

„Vater, jetzt verstehe ich, warum du deinen Stamm verlassen hast und lieber beim Volk lebst.“ (Seite 144)

Cover: Das Erbe des großen Hundes Zum Inhalt

Jahre nach dem Besuch von Don Garcia weiß Eule, der Sohn von Der-ohne-Kopf, nicht so recht etwas mit sich anzufangen. Er empfindet sich als „anders“ und weiß nicht weshalb. Ein Gespräch mit Weißer Büffel bringt Klarheit - nicht nur in seine Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft: er wird vom alten Medizinmann als Lehrling angenommen. Zum Ende seiner Ausbildung muß er alleine in die Wildnis, um sein Medizintier zu finden. Aber gefunden wird er auch von den Schädelspaltern, den Todfeinden des Volkes. Es beginnt eine lange und qualvolle Odyssee mit ungewissem Ausgang.

 

 

Weiterlesen ...
   

Büchle, Elisabeth: Goldsommer

Wie willst du im Leben etwas erreichen, wenn du immer sofort aufgibst, sobald dir der Wind ins Gesicht bläst? (u. a. Seite 376)

 

Cover: GoldsommerZum Inhalt

Amrei ist 14, als ihr Vater und ihr Bruder in den Krieg müssen. Fortan obliegt ihr die Verantwortung für den Hof, die Schwägerin mit ihrem Baby und eine etwas verwirrte ältere Frau. Als sich in ihrer Scheune ein entflohener britischer Kriegsgefangener versteckt, wird es etwas leichter für sie, weil der als Dankeschön für die Verpflegung, die sie ihm zukommen läßt, einen guten Teil der Stallarbeit abnimmt. Doch nach einem Überfall ist er entdeckt und muß den Hof verlassen.
Nach dem Krieg ist Amrei weiter auf sich alleine gestellt, denn der Vater ist gefallen, der Bruder verschollen. Da sich eine Pferdezucht immer weniger lohnt, eröffnet sie eine Reitpension. Als die ersten Gäste anreisen, beginnt es langsam besser zu werden. Doch die Schatten der Vergangenheit lassen sich nicht so einfach vertreiben, und so zieht Ungemach auf über dem Hof im Gutachtal.

Weiterlesen ...
   

Downton Abbey

We’ve dreamd a dream, my dear, but now it’s over. The world was in a dream before the war, but now it’s woken up and said goodbye to it. And so must we.* Earl of Grantham (2. Staffel, 3 Folge)

 

Cover: Downton AbbeyZum Inhalt

England im Jahre 1912: mit der Titanic sterben die Erben des Herrschaftssitzes „Downton Abbey“. Da der derzeitige Earl keinen Sohn hat, Titel und Anwesen aber nur in der männlichen Linie vererbt werden können, ist ein entfernter Verwandter, Matthew Crawley, Rechtsanwalt in Manchester, der neue Erbe. Mit seiner Mutter zieht er in die Nähe von Downton Abbey, wo er langsam an sein künftiges Leben gewöhnt werden soll. In sieben Folgen der ersten Staffel lernen wir die aristokratische Familie, aber auch die zahlreichen Bediensteten, kennen. Zwei getrennte Welten unter einem Dach mit vielen Berührungs- und Reibungspunkten. Und mitten drin die Frage, ob Matthew sich mit seiner neuen Rolle anfreunden kann, ganz abgesehen von dem nicht ganz einfachen Verhältnis zur ältesten Tochter Mary. Und über all dem ein fernes Wetterleuchten, das den Untergang der alten Zeit ankündigt.

Weiterlesen ...
   

Dead Man’s Walk - Der tödliche Weg nach Westen (Lonesome Dove 1)

Hüte Dich vor der schwarzen Frau auf dem weißen Pferd.

 

Cover: Dead Man's WalkZum Inhalt

Texas 1840. Ein Karges, rauhes land, umkümpft von Engländern, Spaniern und Indianern. Augustus „Gus“ McCrae und Woodrow Call, zwei abenteuerlustige Texas Ranger, brennen darauf, sich in die Auseinandersetzungen einzumischen. In dem skrupellosen Caleb Cobb finden sie inen erfahrenen Anführer Gemeinsam mit Bigfoot Wallace und dessen Freund Shadrach erleben sie unglaubliche Abenteuer. Die Bande kämpfe gegen den großen Kommantschenhäuptling Buffalo Hump, den unergründlichen Apatschen Gomez und die mexikanische Armee. Und dann gibt es noch Verwicklungen mit dem „schwachen Geschlecht“, die auch nicht ausbleiben.

 

Weiterlesen ...
   

Singer, Randy: Das Tribunal

„Die wahre Gefahr im Leben besteht nicht darin, einen schmerzvollen und erniedrigenden Tod in jungen Jahren zu erleiden. Es ist keine Schande, auf solche Weise zu sterben, wie es die Sklaven taten. Die wahre Schande besteht darin, jung zu sterben und trotzdem alt zu werden. Das, mein Junge, ist ein Schicksal, das weitaus schlimmer als jede Kreuzigung ist.“(Seite 362, Seneca in den Mund gelegt)

Cover: Das Tribunal

 

Zum Inhalt

Als junger Jurist kommt der Römer Theophilus als Assessor zu Pilatus nach Judäa; diesen soll er beraten. Dadurch wird er auch in den Prozeß um Jesus von Nazareth verwickelt.
Zurück in Rom, beginnt er eine Karriere als Anwalt. Bald schon steht er seinem Mitschüler aus Jugendtagen gegenüber: Caligula als Caesar und Richter, Theophilus als Anwalt der Vestalin Flavia und des Gladiators Mansuetus. Der Ausgang des Prozesses wird das Leben aller Beteiligten nachhaltig verändern und bis in die Zeit des späteren Kaisers Nero nachwirken.

Weiterlesen ...