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For me, this world begins and ends with you.* (Seite 304)

 

Cover: Somewhere In TimeZum Inhalt

Somewhere in Time ist die unvergeßliche Geschichte einer Liebe, die die Grenzen der Zeit überschreitet. Richard Collier, ein Mann unserer Tage (70er Jahre des 20. Jahrhunderts), verliebt sich unsterblich in eine Frau aus einer anderen Zeit, eine gefeierte Schauspielerin um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert). Seine Faszination und seine Gefühle für Elise McKenna erweisen sich als so stark, daß es ihm gelingt, ins Jahr 1896 zu reisen, wo er die Frau seiner Träume trifft, die seine Gefühle erwidert. Doch wie lange kann deren Leidenschaft den unerbittlichen Gesetzen der Zeit widerstehen? 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

O call back yesterdays, / bid time return. Diese Zeilen aus „Richard II“ von William Shakespeare stehen als Motto zu Beginn des Buches. „Bid Time Return“ war übrigens auch der Buchtitel der Erstauflage; erst später wurde er in „Somwhere in Time“ geändert. Richard Matheson wurde zu diesem Buch von einem Foto inspiriert (habe ich hier verlinkt), ganz ähnlich wie der Richard des Buches:

While on a camping vacation in 1970, Richard Matheson entered the old Piper Opera House in the Nevada „ghost town“ of Virginia City. (...) And then he saw it. The photograph was faded and torn. It was a portriat of a young, beautiful woman. Her unsmiling face stared directly at the camera, her eyes large and expressive. (...) „What if“ a story character developed an obsession over such an antique portriat, and was able to successfully travel back in time to find its subject? ** 
Leise beginnt aus den Lautsprechern Leonard Bernsteins Interpretation der 9. Sinfonie von Gustav Mahler. Jener Sinfonie, die nach Meinung unseres Protagonisten wie keine andere geeignet ist, Raum und Zeit aufzulösen und einen Übergang zu ermöglichen. Schon die Aufnahme eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit, da 1965 entstanden. Sechs Jahre, bevor die Ereignisse dieses Buches beginnen. Doch die Sinfonie selbst erlebte ihre Uraufführung (lt. Wikipedia) am 26. Juni 1912 in Wien. Sechzehn Jahre nach den Hauptereignissen dieses Buches.

Womit klar ist, daß die Zeit eine große Rolle in diesem Buch spielt. Ähnlich seinem „Das Ende ist nur der Anfang" (OT: „What Dreams May Come“), beginnt auch dieses Buch mit einer Rahmenhandlung. Der Bruder des Protagonisten Richard Collier schreibt ein paar Zeilen quasi als Vorwort, in dem er sich nicht ganz sicher ist, ob es richtig ist, das zu veröffentlichen .

Das Buch (also die eigentliche Handlung) selbst beginnt etwas verwirrend und verquer. Wenn man jedoch recht bald erfährt, wie krank Richard Collier ist, wird das verständlich; es paßt zu seiner Situation. Eine Münze bringt ihn letztlich ins Hotel del Coronado in San Diego/Californien. Er entdeckt das Foto einer längst verstorbenen Schauspielerin - und verliebt sich rettungslos in sie. Er, im Jahre 1971, verliebt sich unsterblich in die Elise McKenna des Jahres 1896. Er beginnt eine fieberhafte Recherche nach allen verfügbaren Informationen über sie. Dabei kommt zutage, daß es einen Bruch in ihrem Leben gab. Im Jahre 1896 gastierte sie hier in diesem Hotel Coronado zu einer Voraufführung des Stückes „The Little Minister“ von J. M. Barrie; eben jenem Barrie, der auch „Peter Pan“ geschrieben hat. Damals gab es den sog. „Coronado Skandal“, nach welchem sie sich für einige Monate auf ihre Ranch zurückzog und ein völlig anderer Mensch wurde. Menschlich wie auch in ihrer von niemandem wieder erreichten Schauspielkunst. Was geschah damals? Und was hat Richard damit zu tun?

Mehr und mehr ist er besessen davon, durch die Zeit zurückzureisen und die Frau seiner Träume zu treffen. Als er einen Beweis findet, daß er seinerzeit im Hotel war, gibt es kein Halten mehr - und die Zeitreise gelingt ihm. Dort angekommen, fangen die Probleme jedoch erst an. Sehr schön werden die Schwierigkeiten beschrieben, die ihn erwarten. Das fängt bei der körperlichen Akklimatisierung an. Selten wurden die vermutlich auftretenden Unpäßlichkeiten so anschaulich beschrieben wie hier. Oder diese Kleinigkeiten, die das Leben damals von unserem heutigen unterscheiden (etwa daß eine Dame dem Herrn den Zimmerschlüssel gibt, der die Tür aufschließt und den Schlüssen zurückreicht). Seine Bemühungen, sich in die Zeit einzufügen und anzupassen, nicht die Maßstäbe der eigenen anzulegen, und dabei immer wieder das eine oder andere Fettnäpfchen, in das Richard tritt.

Gegen alle äußeren Widerstände entwickelt sich eine Romanze zwischen Richard und Elise. Elises Mutter ist nicht unbedingt begeistert. Der Manager William Fawcett Robinson wird regelrecht zur Furie. Und dennoch ist der Verlauf der Geschichte nicht aufzuhalten, denn alles hat ja bereits stattgefunden. Vor fünfundsiebzig Jahren, so wie Richard es in den Büchern nachgelesen hat. Oder doch nicht? Ist es möglich, die Geschichte zu ändern, kann es sein, daß die Bücher letztlich etwas anderes über die Biographie der Elise McKenna schreiben werden, als was er gelesen hat? Ich will hier nicht mehr schreiben, weil es doch (zu?) viel vom Inhalt (und vor allem das Ende) spoilern würde. Deshalb schreibe ich hier jetzt auch nichts zur "Is it you?" - Szene und weshalb Elise die Ankunft von Richard erwartet hat.

Das Thema „Zeit“ spielt jedenfalls immer wieder eine Rolle, und Richard fragt sich selbst, inwieweit er den Ablauf derselben verändert. Andererseits, da von diesem „Coronado Skandal“ zu lesen war, hat er ja stattgefunden. Ist es daher nicht zwingend, daß er zurückreist, eben damit er stattfinden kann? Was ist, wenn es doch anders ausgeht, steht in den Büchern dann etwas anderes?

Die Methode der Zeitreise wird Lesern von Jack Finneys „Von Zeit zu Zeit“ vermutlich bekannt vorkommen. Bisweilen wird darüber gestritten, ob Matheson das Prinzip „freundlich“ oder „unfreundlich“ übernommen hat. Wie dem auch sei, wer die genaueren Zusammenhänge wissen will, wird wohl nicht um die Lektüre von „Von Zeit zu Zeit“ herumkommen, denn dort ist das "wissenschaftlich" viel ausführlicher beschrieben als hier. ;-)

Ich habe seinerzeit, als mir diese Geschichte im Jahre 2003 zum ersten Mal begegnete, übrigens zuerst den Film gesehen und danach das Buch gelesen. Das prägt mich noch heute, denn in meinem Kopf habe ich ausschließlich die Bilder von Christopher Reeve als Richard Collier und Jane Seymour als Elise McKenna, die beide ungemein gut harmonierten und die perfekte Besetzung waren.

Nur in einem hatte Richard nicht recht. Einen wirklich Übergang in eine ganz andere Welt, die einzig wahre Musik zum Sterben ist für meine Begriffe nicht die 9. sondern die 2. Sinfonie c-moll von Gustav Mahler. ("Warum hast Du gelebt? Warum hast Du gelitten? Ist das alles nur ein großer, furchtbarer Spaß?") Wenn die letzten Akkorde verklingen, sind in der Tat Diesseits und Jenseits zur Einheit verschmolzen und alle offenen Fragen letztgültig beantwortet. Auch die nach der Zeit und ihren Grenzen. Denn dann wissen wir What Dreams May Come - Somewhere in Time.  

 

Kurzfassung

Eine bittersüße Romanze vor dem Hintergrund einer untergegangenen Zeit.  

 

Über den Autor

Richard Matheson wurde 1926 in New Jersey geboren und studierte Journalismus. Sein schriftstellerisches Werk umfaßt mehrere Sammlungen von Kurzgeschichten und etliche Romane. Er hat viel im Bereich Science Fiction und Horror geschrieben, Für zahlreiche preisgekrönte Filme sowie für die Verfilmung einiger seiner eigenen Romane schrieb er das Drehbuch. Sein umfassendes Gesamtwerk wurde mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Richard Matheson lebt seit 1951 mit seiner Familie in Kalifornien. Er hielt 1976 für dieses Buch den World Fantasy Award.  

 

Anmerkungen, Sinngemäße Übersetzungen und Bibliographische Angaben meines Exemplars

* = Für mich beginnt und endet diese Welt mit dir.
** = Quelle: Bill Shepard „The Somewhere in Time Story. Behind The Scenes of the Making of the Cult Romantic Fantasy Motion Picture“, INSITE Publications, ISBN 0-9641698-0-0, 5. Auflage 2002.
Während eines Campingurlaubes 1970 betrat Richard Matheson das alte Piper Opernhaus in der der Nevada-Geisterstadt Virginia. (...)
Und dann sah er es. Das foto war verblichen und zerrissen. Es war das Porträt einer jungen, wunderschönen Frau. Ihr ernstes Gesicht starrte direkt in die Kamera, die Augen groß und ausdrucksstark. (...) Was wäre, wenn der Protagonist einer Geschichte eine Leidenschaft für so ein altes Porträt entwickeln würde, und in der Lage wäre, erfolgreich in der Zeit zurückzureisen, um sie zu finden?

320 Seiten, kartoniert; Verlag: Tor / Tom Doherty Associates, New York 1999, ISBN 0-312-86886-3

Ursprünglich geschrieben am 10. Oktober 2009