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Ich werde wohl noch träumen dürfen. Was bleibt mir sonst? (Seite 76)

 

Cover: Das Hurenschiff

 

Zum Inhalt

Auf einem Schiff, das im Jahr 1789 verurteilte Straftäterinnen von England nach Australien bringen soll, treffen höchst unterschiedliche Frauen aufeinander, die sich in der rauen Welt der Seefahrer behaupten müssen, wollen sie die Reise überleben.  

 

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Ein Buch mit so einem Titel würde ich vermutlich ohne besondere Umstände weder kaufen noch lesen. Diese „besonderen Umstände“ waren hier, daß ich von der Autorin bereits zwei Bücher gelesen hatte, die mir recht gut gefielen, so daß ich mir recht sicher war, daß dieses, auch wenn der Titel vielleicht etwas anderes vermuten läßt, ein ernsthafter historischer Roman ist. Und genau ein solcher war es denn auch; das „Hurenschiff“ gab es tatsächlich, wie dem Nachwort zu entnehmen ist.

Man hatte damals, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, zwei Probleme: zum einen eine hohe Kriminalitätsrate, volle Gefängnisse nicht nicht genügend Hinrichtungskapazitäten, zum anderen Frauenmangel in der Kolonie in Australien. Also hat man beide Probleme ganz einfach gelöst, indem man verurteilte Straftäterinnen nach Australien verbannte, um dort Familien zu gründen. Wie leicht man dabei als Straftäterin verurteilt werden konnte, ohne zuvor eine Straftat begangen zu haben, auch das findet man in diesem Roman, womit gleichzeitig die großen Mängel der „Recht“sprechung jener Zeit recht deutlich zutage treten.

So finden sich also vier sehr unterschiedliche Frauen auf jenem Schiff wieder, das sie nach Australien bringen soll. Wir erfahren, weshalb sie verurteilt wurden und woher sie kommen, bevor sie verschifft werden. Den größten Teil des Buches bildet eben jene Reise von London nach Sydney Cove. Weshalb dabei ein Umweg über Rio de Janeiro gemacht wird, sei hier nicht verraten, ergibt sich aber recht zwangsläufig im Verlauf der Geschichte.

Die Autorin hat die Mühen und Beschwerden einer solchen Reise recht deutlich, aber nie drastisch beschrieben. Ich konnte mir alles gut vorstellen, auch die eher unangenehmen bis üblen Dinge, ohne daß die Autorin - wofür ich ihr sehr dankbar bin - zu sehr ins Detail ging.

Allerdings empfand ich den Roman als recht handlungsbezogen, wodurch manche Details, Beschreibungen oder gar ausführliche Schilderungen etwas in den Hintergrund gerieten bzw. gar nicht erst auftauchten. Das war mir bei den eher schlimmen Dingen sehr recht, andererseits konnte so nicht unbedingt ein Gefühl für die verstrichene Zeit entstehen, zumal die Länge der Leseabschnitte nicht der der beschriebenen Reiseabschnitte entsprach.

Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen und auch jetzt, einige Zeit nach dem Beenden, noch Etliches präsent und im Gedächtnis, was ein gutes Zeichen ist.  

 

Kurzfassung

Ein unterhaltsamer (soweit das bei diesem Thema geht), auf wahren Begebenheiten beruhender historischer Roman.  

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Über die Autorin

Martina Sahler hat nach dem Studium als Lektorin gearbeitet; seit 1990 ist die freischaffende Schriftstellerin. Sie hat viele Bücher veröffentlicht, die in etliche Sprachen übersetzt wurden. Mit ihrer Familie leben sie im Bergischen Land.

Bibliographische Angaben

333 Seiten, kartoniert, 1 Landkarte. Verlag: Knaur Taschenbuch, München 2014