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Es fragt einen niemand, ob man genug vom Leben hat oder nicht, ob man noch weiterleben will oder nicht.(Seite 503)

Cover: Tanz des Vergessens 

Zum Inhalt

Im Frühling 1919 kommt der Verlobte von Lou während der Unruhen in München ums Leben. Um ihren Schmerz zu vergessen, stürzt sie sich in das Getümmel der vielen Nachtclubs und Salons jener Jahre. Als sie dabei den deutlich älteren Ernst kennen lernt, scheint sich alles zum Besseren zu wenden. Aber noch sind die Dämonen der Vergangenheit nicht besiegt, und während auf den Straßen antisemitische Parolen und Gewalttaten zunehmen, beginnt in den Salons der Vornehmen der Aufstieg eines österreichischen Kunstmalers. Nach den Wirren des 1. Weltkrieges ist man von einem ruhigen Leben noch weit entfernt...

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Das letzte Buch der Autorin „Der Sommer der Freiheit“ hatte ich recht gerne gelesen und in guter Erinnerung behalten, insofern habe ich mich auf dieses gefreut. Aber es liegt wohl zu abseits meiner (Lese-) Interessen, denn am Ende war ich froh, daß ich durch war.

Wie schon im vorigen Buch, so hat auch dieses eine deutliche erotische Komponente, wenngleich, wie ich es zum „Sommer der Freiheit“ schrieb, den Figuren nicht unbedingt bis ins Schlafzimmer gefolgt wird. Dafür sind hier gleichgeschlechtliche Beziehungen überaus stark vertreten.

Das Buch ist, wie von der Autorin gewohnt, gut und flüssig lesbar geschrieben und geht über den ungefähren Zeitraum von fünf Jahren. Hier hätte ich mir eine etwas deutlichere Hervorhebung der jeweils, teils zwischen den Absätzen, teils zwischen den Kapiteln, verstrichenen Zeiträume gewünscht, denn ein paar Mal habe ich gestutzt, bis ich bemerkt hatte, daß wieder eine gewisse Zeit seit dem letzten Satz verstrichen war.

In diesem Buch wird eine Welt beschrieben, die mir sehr fremd ist und auch durch diese Geschichte nicht näher kam, eher im Gegenteil. Anschaulich waren die Beschreibungen des alten Handwerks der Täschnerin (dem Beruf der Hauptfigur Lou), nur daß das einzige, was mich an einer Tasche interessiert ist, daß sie praktisch ist und ihren Zweck erfüllt.

Es wird viel geraucht, getrunken, gefeiert und die Nacht zum Tag gemacht. Wenn man von den „roaring twenties“ sprechen will, so etwa, wie hier beschrieben, wird man sich die vorstellen dürfen. Stellt sich bei mir bei so manchem Buch, das im 19. Jahrhundert spielt, eher das Gefühl ein „da wäre ich auch gerne dabei gewesen“, so war das bei diesem Buch überhaupt nicht der Fall, auch wenn das die Zeit der frühen Kindheit meines Vaters war. Ich schätze, ich gehöre überhaupt nicht zur Zielgruppe dieses Buches.

Interessant war die Schilderung des damaligen gesellschaftlichen Lebens in München, wie teilweise in Berlin, mit dem stärker Werden der Nazis, den Auftritten eines gewissen Österreichers in den besten Kreisen Münchens und seine Förderung durch dieselben, was aus heutiger Sicht mehr als unverständlich ist, sich seinerzeit aber offensichtlich tatsächlich so zugetragen hat. Auch der aufkommende Antisemitismus scheint immer wieder durch und läßt, mit der Kenntnis der späteren Geschehnisse, erahnen, daß der 1933 nicht aus dem Nichts aufgetaucht ist, sondern latent schon lange vorhanden war und sich mehr oder weniger langsam aufbaute.

Insgesamt hat der Roman eine Zeit und eine Gesellschaft geschildert, die mir sehr fremd sind, und es dabei auch nicht geschafft, mich mehr dafür zu interessieren. Allerdings ist es schon lange meine Überzeugung, daß man sich nicht für alles interessieren kann (und muß), was mir dieses Buch wieder bestätigt hat. Insofern hat es sich denn doch gelohnt, es zu lesen.

 

Kurzfassung

Der Roman erweckt die „roaring twenties“ mit ihrer Sucht nach Zerstreuung zum Leben.

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Über die Autorin

Heidi Rehn wurde in Koblenz geboren. Während des Studiums von Germanistik, Geschichte, Kommunikationswissenschaften und BWL arbeitete sie für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. nach einer vierjährigen Tätigkeit für eine PR-Agentur ist sie sei 1997 selbständige Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

Bibliographische Angaben

557 Seiten, kartoniert. Verlag: Knaur Taschenbuch Verlag, München 2015