Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Cover: Die Woche mit Sara

 

Zum Inhalt

Auf einem Schiff im Mälarsee verliebt sich der junge Sergeant Albert in eine hübsche junge Frau. Doch Sara lässt ihn abblitzen. Erst bei einem Landgang kommen sich die beiden näher. Trotzdem besteht Sara darauf, ihr Essen selbst zu bezahlen, und schlägt vor, zusammen in dem einzigen noch freien Zimmer der Herberge zu übernachten. Und sie hält ein flammendes Plädoyer für die freie Liebe.

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Das Buch habe ich aus der Bücherei ausgeliehen, weil das Stichwort „Schweden“ nicht viele Treffer ergab, und 150 Seiten sich schnell lesen lassen. Ich ging ziemlich unbelastet von Vorwissen an das Buch und habe auch das sehr interessante Nachwort wirklich als solches gelesen; lediglich über das erste Erscheinen (1839) war ich mir im Klaren. Ich schätze, ob das Buch einem gefällt oder nicht, hängt sehr vom subjektiven Empfinden ab. Mir hat es ausnehmend gut gefallen.

Die Figuren, vor allem Sara und Albert, sind gut und lebendig gezeichnet und ich fand mich, auch und vor allem wegen der so herrlich altmodischen Sprache, mitten in der ersten Hälfte des Neunzehnten Jahrhunderts wieder. Besonders köstlich wurde es, wenn der der Erzähler dann selbst seinen Kommentar, etwa zum Verhältnis Geographie und Geschichte, gab, oder bedauerte, nicht mehr berichten zu können, weil einfach nicht mehr passiert war.

Ich habe ständig meinen „Lilla Sverigeatlas“ (etwa „Kleiner Atlas Schwedens“) offen gehabt und die Reiseroute mit verfolgt. Es ist meines Erachtens immer wieder erstaunlich, zu welchen Reisegeschwindigkeiten unsere Vorfahren vor Einführung des ICE, hier sogar weitgehend vor der der Eisenbahn selbst, imstande waren.

Mit dem Inhalt selbst wollte der Autor eine bestimme politische Wirkung erzielen bzw. Aussage formulieren und hat einen Skandal erster Ordnung ausgelöst. Ich frage mich, ob nicht manche Stellen, würden sie in einem heutigen „Tendenzroman“ vorkommen, noch immer für einen Skandal gut wären. Interessant auch der schwedische Originaltitel „Det går an“ („Es geht an“): Mit diesen Worten hört das Buch auch auf.

Den Ausflug in die Vergangenheit habe ich sehr genossen, so daß das Buch für mich mehr als „historisches Material“ war und mit Sicherheit auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Immerhin so bleibend, daß ich mich nach weiteren Werken des Autors umsehen will.

 

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

Aus dem Schwedischen von Anne Storm, 160 Seiten, gebunden
Kindler Verlag, 2004

Ursprünglich geschrieben am 06. August 2010