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Cover: Die Goldschmiedin

 

Zum Inhalt

Augsburg im Jahr 1742: Zur Krönung Kaiser Karls VII. soll der berühmte Goldschmied Drentwett binnen kürzester Frist die Hauskrone erschaffen. Doch eine heimtückische Krankheit raubt ihm sein Augenlicht. Die junge Magd Juliane ist seine einzige Rettung. Im Verborgenen lehrt er sie die Kunst des Goldschmiedens. Aber schon bald bekommt sie die Drohungen eines unbekannten Widersachers zu spüren.

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Das Buch vereint einen historischen Roman mit Elementen eines Krimis und - was die Spannung betrifft - eines Thrillers. Aber es enthält keine über- bzw. unmäßigen Gewalt-, Folter- oder gar Vergewaltigungsszenen (obwohl eine „Gefängnisszene“ vorkommt und Gefängnisse damals sicher alles andere als angenehme Aufenthaltsorte waren), wie man sie heute in so vielen historischen Romanen findet. Stattdessen ist eine der „Hauptfiguren“ das Goldschmiedehandwerk. Wie im Nachwort von der Autorin erläutert, sind diese Schilderungen authentisch. Das hat das Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht und mir etwas über das Leben der normalen Menschen zu jener Zeit nahegebracht.

Sehr geschickt ist der Aufbau in Tagen, als gleichsam ein Countdown bis zur Krönung, sehr mysteriös die Gedankeneinsprengsel des Gegenspielers von Juliane (der Protagonistin). Auch wenn es im Buch etliche Hinweise auf die Identität gibt, sind diese so gut versteckt, daß sie leicht zu überlesen sind und man selbst bis zum Schluß mitraten kann, wer das denn nun ist, der die Fertigstellung der Krone um jeden Preis verhindern will.

Handlungsverlauf wie Motivation der einzelnen Gestalten sind überaus glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt, die Umstände des Lebens im 18. Jahrhundert desgleichen. Dabei hat mir das Buch besonders sympathisch gemacht, daß es sich letztlich um ein Drama mit Animositäten handelt, wie sie allüberall vorkommen, und daher das ganze Geschehen in hohem Maße glaubwürdig ist. Es ist halt gerade so, wie im richtigen Leben auch.

Alles in allem ist dies ein historischer Roman, wie ich ihn mir vorstelle: Hervorragend geschrieben (das soll wirklich ein Erstlingswerk sein?), gut recherchiert, mit Karte, Nachwort und ausführlichem Glossar (sind wir mal ehrlich: wer von uns weiß schon aus dem Stegreif, was eine "Hauskrone" ist?) abgerundet - einfach perfekt. So sollte Geschichtsunterricht sein; da macht das Lernen Spaß.

 

Mein Fazit

Ein bemerkenswertes Debut und ein sehr lesenswerter historischer Roman, aus dem man so ganz nebenbei viel über ein altes Handwerk lernen kann. Sehr empfehlenswert.

 

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Bibliographische Angaben

464 Seiten, kartoniert, Heyne Verlag, München 2007

 

Ursprünglich geschrieben im März 2008