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“Gibt es kein Recht, das höher steht als die Macht?“ fragte Deoris bitter.
„Nein, Deoris. Es gibt keins.“ erwiderte Riveda mit eigentümlichem Lächeln. (Seite 314)

 

Co9ver: Das Licht von AtlantisZum Inhalt

Atlantis und die Seekönigreiche werden von Priesterkönigen und ihren Tempeln regiert. Alles scheint durch Gesetze und Rituale in Ordnung gehalten werden zu können.
Als Micon dort eintrifft, ist er ein sterbender Mann, in den sich die Priesterin Domaris unsterblich verliebt. Von Unbekannten entführt und gefoltert, will er seine Macht an einen Sohn weitergeben. Das Kind, das er mit Domaris bekommt, bringt zugleich Leben und Tod.
Ihre Schwester Deoris verfällt zwischenzeitlich dem undurchsichtigen Magier Riveda, der Schuld auf sich und das Land lädt. Es werden Kräfte entfesselt, die nicht mehr aufzuhalten sind.

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Atlantis gehört zu den großen Mythen der Menschheit. Und hier, genau hier, beginnt die Saga von der Apfelinsel, besser bekannt unter der Bezeichnung „Avalon“. Denn nicht nur hat Marion Zimmer Bradley (MZB) die Artussage neu erzählt, sie hat sie auch bewußt mit der um das untergegangene Reich verbunden. Dies geht aus ihren eigenen Aussagen, und auch aus dem „Letter from Diana L. Paxson“, der als Anhang der wunderschönen Jubiläumsausgabe von „The Mists of Avalon“ (Delreybooks, New York 2000) beigegeben ist, hervor.

Sie hatte die Idee, die Protagonisten (bzw. -innen) durch die Zeitläufte hindurch in den verschiedenen Inkarnationen zu verfolgen. Wie die gleichen Personen immer wieder unter verschiedenen Umständen und Konstellationen zusammen- und aufeinandertreffen, um so das Karma (ein, s. u., in diesem Buch arg strapazierter Begriff) einzulösen.

Was mich etwas irritierte, bisweilen auch störte, war das permanente Hinweisen und Bestehen auf „Reinheitsgeboten“. Alle möglichen Handlungen und Kontakte machen unrein. Um das zu vermeiden, nimmt man sogar den Tod eines Menschen in Kauf. Für solche Einstellungen fehlt mir das Verständnis, im richtigen Leben wie im Buch. Möglicherweise fehlt mir auch das esoterische Wissen, um das nachvollziehen zu können. Aber vielleicht sehe ich das nur zu eng. Auch wird gegen Ende des Buches der Begriff „Karma“ sehr oft strapaziert. Ich kann ja viel vertragen, aber hier hat sich in meinem Kopf doch irgendwann der Begriff „Holzhammermethode“ festgesetzt. Weniger wäre mehr gewesen.

Eilantha - die Wirkung einer Ursache, die Ringe, die ein ins Wasser geworfener Stein erzeugt, die Macht des Karma. (Seite 334, zur Erklärung des wahren Namens von Tiriki.) 

Das Buch habe ich jetzt (Anm.: 2008) - nach etlichen Jahren das zweite Mal gelesen; ich hatte es als nicht so gut, streckenweise zäh und langweilig in Erinnerung. Und war überrascht, daß ich es überhaupt nicht so empfand. Im Gegenteil. Das Buch hatte mich (was ich nicht erwartet habe) sehr schnell in seinen Bann gezogen und über Tage, während ich las, war ich weit, weit weg, in den Seekönigreichen, als die Ur-Ur-Ahnen von Avalon und der Artussage das erste Mal(?) in Erscheinung treten. Habe mitgelitten, manches nicht verstanden bzw. verstehen wollen (s. o.), und mich schließlich von lieb und vertraut gewordenen Menschen verabschiedet. Am Vorabend des Unterganges von Atlantis, der sich ankündigt und in den „Ahnen von Avalon“ unvermeidlich folgen wird.

Immer wieder sind die Schicksale der Menschen miteinander verbunden und verwoben, ob sie dies wollen - oder auch nicht. Manches davon erscheint seltsam, etliche schlimme Szenen werden nur angedeutet und nicht im Detail ausgeschmückt (worüber ich dankbar bin), manches bleibt auf den ersten Blick unverständlich und klärt sich erst im weiteren Verlauf des Buches. Es ist eine in sich geschlossene Tempelwelt, von der Außenwelt erfährt man so gut wie nichts. Diese Welt hat ihre ganz eigenen Gesetze und Gebräuche, streckenweise (wie bei der Autorin nicht anders zu erwarten) sehr feministisch geprägt, teilweise seltsam, vieles nicht bis ins letzte Detail erklärt. Man muß sich auf diese (Gedanken-) Welt einlassen, um an ihr teilhaben und sie zumindest teilweise verstehen zu können. Das Buch kommt sicher nicht an ihr Meisterwerk "Die Nebel von Avalon" heran, doch auch hier finden sich schon starke Gestalten, mächtige Handlungsstränge und das Weben eines Schicksals, das einen langen Atem hat.

Einstens wird Igraine auf dem Turm ihrer Burg stehen und sich an ein früheres Leben unter anderem Namen mit Uther Pendragon erinnern. Hier, in Gestalt von Tiriki und Micail, den Kindern von Deoris und Domaris, begegnen wir den beiden zum ersten Mal und erleben, wie sie die Bühne der Welt betreten. Hier im Seekönigreich, in Atlantis, hebt ein Geschehen an, das etliche Mythen miteinander verbindet, in Beziehung setzt, neu deutet, und uns über weitere Bücher beschäftigen wird.

Während in Atlantis die ersten Anzeichen des drohenden Unterganges am Horizont auftauchen, wird die Grundlage gelegt für eine Geschichte, die in einem ganz anderen Teil der Welt, in einer ganz anderen Zeit, weiter- und zu Ende gehen wird. Noch strahlt die Sonne von einem (fast) heiteren Himmel. Doch irgendwo weit, weit entfernt, ziehen sie sich zusammen, steigen auf, um sich letztlich wieder zu verdichten und endgültig zu fallen. So wie Atlantis vom Meer verschlungen werden wird, wird auch das andere mythische Land versinken und aus dieser Welt entschwinden, entrückt werden.

Dereinst, etliche Tausend Seiten und Jahre später, wenn sie sich zusammenziehen. Die Nebel von Avalon.

 

Kurzfassung

Ein Fantasy-Roman von MZB über Schuld und Verstrickung, über Macht und Ohmacht, über Recht und Gerechtigkeit, über Weisheit und Schicksal, angesiedelt im Seekönigreich von Atlantis. Der erste Auftritt der Gestalten, die über Jahrhunderte hindurch schließlich in den „Nebeln von Avalon“ ihr Ende und ihre Erfüllung finden werden.

Ursprünglich geschrieben am 12. Mai 2008, Text hier inhaltlich unverändert

 

Nachtrag am 17. Juni 2015
Ich habe das Buch kürzlich erneut gelesen. Neben dem erwähnten arg strapazierten Begriff des "Karma" empfand ich bei diesem Lesedurchgang das starke beharren auf Gesetzen, koste es was es wolle, als problematisch. Nach dem Motto "der Mensch ist für die Gesetze da" wurde auch der Tod in Kauf genommen, um irgendwelche Vorschriften einhalten zu können. Kein Wunder, daß diese Welt dem Untergang geweiht war.

 

Über die Autorin

Sie diesen Beitrag: Marion Zimmer Bradley - Kurzbiographie

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
384 Seiten, gebunden. Originaltitel: Web of Light / Web of Darkness. Aus dem Amerikanischen von Rosemarie Hundertmarck. Bertelsmann-Club, Gütersloh ohne Jahr

 

   
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