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Cover: Um die Kindheit betrogenZum Inhalt


Über Alkoholismus und andere Suchterkrankungen wurde in den letzten Jahren viel geschrieben. Die Probleme der Angehörigen, insbesondere der Kinder, kommen jedoch kaum zur Sprache. Dabei sind diese Kinder vielfältigen Belastungen ausgesetzt, ihr Alltag ist bestimmt von Angst, Scham und Wut, auch wenn sie inzwischen erwachsen sind. Jahrelang müssen sie die Vorspiegelung der glücklichen Familie nach außen hin aufrechterhalten. Sie dürfen niemanden wissen lassen, was zu Hause wirklich vor sich geht.
Janet G. Woititz macht ganz konkrete Vorschläge, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Ein Buch, das Mut macht, das eigene Leben selbstbewußt und zuversichtlich zu gestalten.

 

 

Kommentar / Meine Meinung

„Hoffnung und Heilung für erwachsene Kinder von Suchtkranken“, so lautet der Untertitel der deutschen Ausgabe. Inwieweit das zutreffend ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da sich das Buch ausschließlich mit der Problematik der Folgen von Alkoholismus beschäftigt und nur an einer Stelle kurz erwähnt wird, daß vieles bei anderen Suchterkrankungen ähnlich sei. Der Originaltitel "Adult Children of Alcoholics" ist da schon zutreffender. Im Vorwort heißt es, daß beim Verfassen des Buches ursprünglich ausschließlich an Kinder von Alkoholikern gedacht wurde, die Autorin im Verlaufe der Zeit jedoch festgestellt hat, daß vieles davon auch auf Familien mit anderen Suchterkrankungen zutrifft.

Überhaupt das Original. Als ich das Buch zu lesen begann, war mir, ich gebe es zu, nicht bewußt, daß es sich um eine Übersetzung handelt. Nach einiger Zeit habe ich mir gedacht, daß das wie wörtlich aus dem Englischen Übersetztes klingt, was Satzbau und Wortwahl betrifft. Ein Blick ins Impressum zeigte dann, daß es sich in der Tat um eine Übersetzung aus dem Englischen handelt. Damit ist auch das m. E. größte Manko des Buches benannt: es ist nicht unbedingt bestes Deutsch. Gut, es ist ein Sachbuch, aber dennoch hat mich gestört, daß ich ständig das englische Original herausgehört (bzw. gelesen) habe.

Ansonsten bietet das Buch eine umfassende Einführung in die Thematik, die in vier große Kapitel eingeteilt ist:
1) Was geschah mit Ihnen als Kind?
2) Was geschieht heute mit Ihnen?
3) Den Kreis durchbrechen
4) Was ist mit ihren Kindern?

In Anbetracht der hohen Zahl von Alkoholabhängigen (mit einer sicherlich noch höheren Dunkelziffer) sind eine enorme Anzahl von Menschen von dieser Problematik betroffen. Die Autorin schreibt in einem Kapitel sinngemäß, daß man davon ausgehen könne, daß in jeder gräßeren Versammlung von Menschen erwachsene Kinder von Alkoholikern anzutreffen sind.

Auch wenn das Buch gerade mal 158 Seiten dick ist, gelingt der Autorin eine recht umfassende Darstellung der Problematik. Das geht im Einzelnen sicherlich nicht bis in die letzte Tiefe, gibt aber einen guten Überblick und vermag ein sicheres Fundament für einen Einstieg ins Thema sowie eventuelle weitere Beschäftigung damit zu legen.

Im Anhang findet sich ein kurzes Literaturverzeichnis sowie einige Adressen von Hilfsorganisationen. Alles in allem bietet das Buch eine gute und sehr brauchbare Darstellung der Thematik sowohl für Betroffene wie auch für Angehörige solcher Menschen.

 

Mein Fazit

Das Buch, das seit Jahren und in mehreren Auflagen lieferbar ist, hat sich zu einer Art Standardwerk entwickelt und ist interessant sowohl für Betroffene als auch für Menschen, die mit solcherart Betroffenen zu tun haben.

 

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Bibliographische Angaben

Aus dem Amerikanischen von Karin Petersen
158 Seiten, kartoniert, Kösel Verlag GmbH, München, 7. erweiterte Auflage 2004