Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Alle gewöhnlichen Werde des Lebens sind durch dein Krieg vernichtet, die religiösen, die moralischen, die ethischen Werte brechen zusammen. (Kurt Bieser, Seite 160)

Cover: Der erste Weltkrieg

 

Zum Inhalt

Der Erste Weltkrieg liegt lange zurück und ist bei vielen, bis auf einige Schlagworte, ein „vergessener Krieg“. Dies wird seiner Bedeutung als vermutlich dem Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts, als dem Ereignis, das Europa und die Welt auf den Kopf stellte und für alle Zeit veränderte, nicht gerecht. Die Beiträge dieses Buches bieten einen Überblick über die Vorgeschichte und den Kriegsverlauf bis hin zum Versailler Friedensvertrag.  

 

 

 Kommentar / Meine Meinung

Vor sehr vielen Jahren habe ich im Geschichtsunterricht etwas über die „Einkreisung des Deutschen“ Reiches gelernt, daß man sich umklammert und bedroht gefühlt habe. Aber auch, daß der Kaiser nach dem Ultimatum an Serbien (sinngemäß) gesagt haben soll „da ist doch gar kein Krieg nötig“. Zumindest ersteres ist mir vor sehr wenigen Jahren begegnet, als ich meine Tochter für eine Geschichtsarbeit abgefragt habe.

Bis zur Lektüre dieses Buches war ich der Meinung, daß das eine zutreffende Darstellung der historischen Ereignisse ist. Jetzt bin ich mir sehr unsicher geworden.

Wenn die Autoren dieses Buches recht haben, ist zumindest die Aussage über Kaiser Wilhelm II. zutreffend, denn anscheinend wurde er von den Militärs schlicht und ergreifend übergangen. Die Militärführung wollte offensichtlich den Krieg und war sich nicht sicher, ob der Kaiser das genauso sah. Bzw. war sich sicher, daß der im letzten Moment eben keinen Krieg wollte, weshalb er überrumpelt wurde. So nahm das Unheil denn seinen Lauf.

Das Buch beginnt mit der Vorgeschichte des Krieges. Ich mußte so alt werden und an dieses Buch geraten, um erstmals zu verstehen, was „deutsche Großmannssucht“ wirklich bedeutet. Denn die wird hier nüchtern und sehr klar herausgearbeitet. Vermutlich bin ich doch zu sehr dem Denken der heutigen (meiner) Zeit verhaftet, denn es ist mir nahezu unmöglich, das Denken der damaligen Militärführung Deutschlands sowie mancher Politiker nachzuvollziehen oder zu verstehen.

Im Buch findet sich nicht nur ein Beitrag über den „Mythos Tannenberg“, sondern es wird auch mit so manchem Mythos aufgeräumt. Etwa dem, daß ganze Völker frohgemut in den Krieg zogen. Sicher gab es Kriegsbegeisterung, aber nicht so ausschließlich, wie ich bisher der Meinung war. Erstmals in der Geschichte wurde der Krieg, je länger er dauerte, auch mit Propaganda geführt; Beispiele dafür bietet dieses Buch zuhauf.

Daß damals erstmals Giftgas eingesetzt wurde, wußte ich. Wie es dazu kam, was es für Folgen hatte (bis hin zu der, daß die Arsenale, obwohl bei allen Kriegsparteien reichlich gefüllt, im 2. Weltkrieg fest verschlossen blieben) berichtet ein weiterer Beitrag. Die Wissenschaft, welche sich in allen Kriegsländern mehr oder weniger bedenken- und bedingungslos in den Dienst des Krieges gestellt hatte, hatte ihre Unschuld verloren.

Das Buch klingt aus mit dem Friedensvertrag von Versailles. „Dolchstoßlegende“, „im Felde unbesiegt“ waren damals weitverbreitete Meinungen bzw. Überzeugungen. Hinzu kamen die von den meisten als demütigend empfundenen Begleitumstände des Vertrages wie auch der Vertrag selbst. Um damit schließt sich der der Bogen zurück zum Geschichtsunterricht. Denn ob mit der festgestellten „Alleinschuld des Deutschen Reiches am Krieg“, mit dem teilweise demütigen Bedingungen, den extrem hohen Reparationszahlungen wirklich eine dauerhafte Friedensordnung zu begründen war, sei dahingestellt. Ich entsinne mich an Äußerungen des Lehrers, daß (verkürzt dargestellt) in diesem Vertrag der Keim für den nächsten Krieg lag. Die Geschichte hat gezeigt, daß diese Annahme nicht ganz von der Hand zu weisen ist.  

 

Kurzfassung

Eine gut lesbare Einführung in die Thematik des Ersten Weltkrieges, mE hervorragend zur Hinführung ans Thema geeignet.  

 

Über die Autoren

Christine Beil ist promovierte Kulturwissenschaftlerin.
Werner Biermann ist Autor und Filmemacher (Dokumentarfilme).
Heinrich Billstein arbeitet als freier Journalist und Filmemacher.
Jürgen Büschenfeld ist promovierter Historiker und Wissenschaftsredakteur.
Anne Roerkohl ist promovierte Historikerin.
Susanne Stenner ist freier Fernsehjournalistin.
Gabriele Trost studierte Geschichte und Politikwissenschaft und ist für den SWR tätig.  

Bibliographische Angaben

Das Begleitbuch zur fünfteiligen Fernsehserie der ARD
256 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Karten, Zeittafel, Literaturhinweise, gebunden Verlag: Rowohlt, Berlin 2004