Ich denke an die verfolgten Christen in aller Welt, die zu oft vergessen werden von einem Europa, das keine Seele mehr zu haben scheint und in dem der Kulturrelativismus alles und jeden auf die gleiche Stufe stellt. (Seite 374)

Cover: Ich bin GiorgiaZum Inhalt (Verlagsangabe)

In diesem Buch spricht Giorgia Meloni zum ersten Mal ausführlich über sich selbst. Sie erzählt von ihren Wurzeln, ihrer Kindheit im römischen Stadtteil Garbatella und ihrer Familie: ihrer Beziehung zur Mutter Anna, Schwester Arianna, den Großeltern Maria und Gianni sowie ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrem „abwesenden“ Vater. Sie reflektiert über ihre Leidenschaft für die Politik, die sie an die Spitze der Partei Fratelli d’Italia und schließlich an die Regierung führte, und die Herausforderungen, als Frau in einer von Männern dominierten Welt zu leben.

 

 

Meine Meinung

Schon seit langem habe ich mir angewöhnt, zu Beginn einer Rezension einen Satz aus dem Buch zu zitieren, der mir - warum auch immer - beim Lesen besonders aufgefallen ist. Zur Auswahl stand neben dem letztlich gewählten auch dieser: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht (…)“ (S. 236), den Giorgia Meloni im italienischen Parlament zur Vertrauensabstimmunug über die Regierung von Mario Draghi zitierte - und der auf der linken Seite einen Sturm der Entrüstung auslöste. Wie konnte Meloni nur Bert Brecht zitieren! Dumm nur, daß das Zitat überhaupt nicht von Bert Brecht stammt - sondern von Papst Leo XIII.

Wenn man in deutschen Medien etwas über Giorgia Meloni liest, ist es meist nichts Gutes, sondern kritisch bis abwertend. Sie ist halt weder links noch grün noch gar "woke", sondern schlicht rechts. Und das wird heute meist ganz automatisch ohne groß Nachzudenken mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt, so abgestempelt und in diese Schublade gesteckt. Fall geklärt - jetzt kann man als "echter Demokrat" ja mit ruhigem Gewissen „draufschlagen“.

Als ich kürzlich mitbekam, daß ihre „Autobiographie“ (wenn man das Buch so bezeichnen will) auf Deutsch erscheinen soll, nachdem wohl etliche Verlage eine Veröffentlichung abgelehnt hatten, wurde ich aufmerksam. Zumal ich auf welt.de ein (gekürztes) Kapitel aus diesem Buch gelesen hatte, was mich endgültig neugierig machte - denn was ich da gelesen hatte, klang grundvernünftig.

Ausgelesen - sollte ich in einem Wort die Ansichten von Giorgia Meloni zusammenfassen, würde ich genau dabei bleiben: grundvernünftig. Es ist sehr, sehr lange her, daß ich politische Ansichten gelesen habe, mit denen ich so eine hohe Übereinstimmung habe. Vor allem auch ihre Vorstellung von Europa bzw. der Europäischen Union. Ihr schwebt eine EU „(…) freier europäischer Völker, gegründet auf deren Identität und fähig, die großen Fragen gemeinsam zu lösen“ vor. Und kein Europa als einem „(…) undefinierbaren Gebilde in den Händen obskurer Bürokraten, das auf nationale Identitäten keinen Wert legt und diese sogar ganz abschaffen will (…)“ (vgl. S. 48). So eine EU, die sich von der derzeitigen, die alles und jeden regulieren und bevormunden will deutlich unterscheidet, könnte sogar ich (wieder) unterstützen.

Es ist hier nicht der Ort und der Platz, ihre gesamte Argumentation wiederzugeben - dazu sollte man das Buch selbst lesen, da sie ihre Ansichten teilweise sehr ausführlich dargestellt und begründet.

Beim Lesen ist mir immer wieder aufgefallen, wie sehr ich viele Entwicklungen der Vergangenheit doch durch die rein „deutsche Brille“ gesehen und betrachtet habe. Es bleibt natürlicherweise nicht aus, daß Meloni aus ihrer italienischen Sicht schreibt - und damit den Horizont öffnet für eine andere Sichtweise, Stichwort etwa Finanz- und Eurokrise oder „gute“ und „schlechte“ Ministerpräsidenten Italiens. Die italienische Sichtweise auf Ereignisse der Zeitgeschichte, die ich selbst miterlebt habe, zeigt wieder einmal überdeutlich die tiefe Wahrheit der alten indianischen Weisheit: „Beurteile nie einen Menschen, bevor Du nicht mindestens einen halben Mond lang seine Mokassins getragen hast.

Insofern: auch oder vor allem, wer Giorgia Meloni von vornherein als „rechtsextrem“ abstempelt (was sie nicht ist), sollte dieses Buch lesen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Bleibt man (ohne zu lesen) beim Vorurteil, könnte es möglicherweise sein, daß man nach der Devise „wenn die Realität von meinen Vorstellungen abweicht, ist die Realität falsch“ (vgl. S. 238) denkt und/oder handelt.

 

Mein Fazit

Giorgia Meloni legt ausführlich ihre politischen Ansichten dar. Wer diese aus erster Hand kennenlernen möchte kommt um dieses Buch nicht herum und wird dabei feststellen, daß die Vorurteile über sie schlicht falsch sind.

 

Über die Autorin (Verlagsangabe)

Giorgia Meloni wurde 1977 in Rom geboren. Mit 15 Jahren startet sie ihr politisches Engagement in der Jugend- und Studentenbewegung und arbeitet nebenbei als Babysitter und Barkeeperin. Mit 21 Jahren wird sie in den Rat der Provinz Rom gewählt. Mit 29 wird sie Journalistin, wird zur Abgeordneten gewählt und bekleidet in der XV. Legislaturperiode das Amt der Vizepräsidentin der Abgeordnetenkammer. Sie hält den Rekord des jüngsten Ministers in der republikanischen Geschichte: 2008 übernimmt sie das Amt der Jugendministerin. Am 21. Dezember 2012 gründet sie Fratelli d’Italia – heute die größte Partei Italiens -, deren Landesvorsitzende sie ist. Am 28. September 2020 wird sie zur Vorsitzenden der europäischen Konservativen und Reformisten (ECR Party) gewählt, einer der bedeutendsten politischen Familien Europas, die mehr als 40 europäische und außereuropäische Parteien in sich vereint. Sie ist die einzige Frau, die gleichzeitig Vorsitzende einer europäischen und einer italienischen politischen Partei ist.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Originaltitel: Io sono Giorgia. Aus dem Italienischen von Bernd Röben
Verlag: Europa Verlag, München 2025; ISBN 978-3-95890-654-9

 

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