Eine Gesellschaft zu ruinieren, um selbst reich zu werden, ist närrisch, und das Silicon Valley verhält sich närrisch. (Seite 145)

Cover: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musstZum Inhalt

Eigentlich braucht es keine Inhaltsangabe, weil der Buchtitel genau das beschreibt, worin es in diesem Buch geht: um die Gründe, weshalb man sofort seine sämtlichen Social-Media-Accounts löschen sollte.

 

 

 

 

 

Meine Meinung

Fangen wir mit Katzen an.“ (S. 7) Ein Buch, welches so beginnt, muß einfach gut sein, denn da stimmt schon mal die Grundeinstellung. Denn Katzen sind selbstbestimmt; sie haben sich vor langer Zeit selbst domestiziert - zu ihren Bedingungen. Und „Niemand kann eine Katze unter Kontrolle bringen weder du noch sonst irgendjemand.“ (S. 8). Im Gegensatz zu Hunden - oder Menschen, wenn sie sich in die Tiefen der Social Media Accounts begeben und sich von ihnen abhängig machen (lassen).

Denn eines sind sie „sozialen Medien“ mit absoluter Sicherheit nicht: sozial. Die haben nur einen einzigen Zweck: Geld zu verdienen, und zwar möglichst viel. Dazu müssen die Nutzer möglichst lange auf der Webseite verweilen und möglichst viele Klicks produzieren. Das geht aber nicht mit guten, erfreulichen Inhalten, sondern ausschließlich mit negativen. Genau deshalb werden negative Äußerungen auch möglichst weit verbreitet und in vieles „Feeds“ eingespeist. Dadurch werden sie weiter verbreitet und erreichen noch mehr Menschen - die Empörung schaukelt sich hoch und produziert Klicks, Werbeeinnahmen und natürlich vor allem Gewinn - Zweck erfüllt.

Das ist in aller Kürze die Quintessenz der Argumentation. Natürlich führt Lanier das viel deutlicher und ausführlicher aus und erklärt die Mechanismen, die hinter dem System „soziale Medien“ stehen, anhand von fünf Grundmustern:
A - Die Arschloch-Herrschaft
B - Totale Überwachung
C - Aufgezwungene Inhalte
D - Verhaltensmodifikation
E - Ein perverses Geschäftsmodell
F - Fake People

Je weiter ich im Buch gekommen bin, um so mehr hat es bei mir seinen Zweck erfüllt. Der allerdings nicht darin besteht, daß ich mich irgendwo abmelden müßte (dazu müßte ich mich ja erst mal anmelden), sondern seine Argumentation hat mich darin bestätigt und bestärkt, daß ich die sog. „sozialen Medien“ nicht brauche und auch künftig mit ruhigem Gewissen einen großen Bogen darum machen kann.

Lanier schreibt flüssig, verständlich, gut lesbar und gibt viele praktische Beispiele. Eines war so praktisch, daß ich schon während des Lesens auf die „Lösung“ gekommen bin (S 59ff, Kapitel „Social Media macht dich zum Arschloch“, Unterpunkt „Schwarzer Schnee“). Er beschreibt da die Suchtgefahr, die die sozialen Medien mit sich bringen. Mehr und mehr beschlich mich das Gefühl, daß ich einen Prototypen seiner Beschreibungen kenne. Und tatsächlich, als der Name genannt wurde: richtig vermutet. Man hört seinen Namen derzeit täglich in den Nachrichten, er wohnt momentan übrigens im Weißen Haus in Washington/D.C. Der Autor kennt ihn von einigen persönlichen Treffen her.

Wer wirklich wissen will, wie die sozialen Medien funktionieren und was sie bewirken, dem sei dieses Buch empfohlen. Lanier kommt am Ende seiner Argumentation zu dem Ergebnis, das der Buchtitel schon vorgibt. Oder wie er es auch formuliert: „Was auch immer ein Mensch ist - wenn du einer sein willst, dann lösch deine Nutzerkonten.“ (S. 196)

 

Mein Fazit

Eine überzeugende Argumentation gegen die „sozialen Medien“ und ihre unheilvollen Einflüsse. Selbst, wenn man dort weiterhin unterwegs ist, sollte man dieses Buch lesen. Dann weiß man immerhin, unter welche Einflüsse man sich begibt - und was es mit einem macht.

 

Über den Autor

Jaron Lanier wurde 1960 in New York geboren; er zählt zu den Internetpionieren. In den 80er Jahren arbeitete er für Atari; Begriffe wie „Virtual Reality“ oder „Avatar“ gehen auf ihn zurück, er entwickelte den ersten Datenhandschuh. In den 90er Jahren entwickelte er auch Musikinstrumente, komponierte und trat u. a. auch mit Philipp Glass auf. Seit 2009 arbeitet er für Microsoft Research. Er lebt mit seiner Familie in Berkeley/Californien.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

205 Seiten, gebunden
Originaltitel: Ten Arguments For Deleting Your Social Media Accounts Right Now
Aus dem Amerikanischen von Martin Bayer und Karsten Petersen
Verlag: Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2. Auflage 2018; ISBN 978-3-455-00491-5