Man könnte den Eindruck gewinnen, daß auf der Erde Organismen von faszinierender Komplexität ohne evolutionäre Vorgänger entstanden sind. Es ist, als ob ein Orchester zu spielen begänne, ohne zuvor auch nur einmal die Instrumente gestimmt zu haben. (Seite 154)
Seit Jahrzehnten wird mehr oder weniger intensiv nach außerirdischem Leben gesucht. Was wie Science Fiction klingt, hat jedoch einen realen, wisenschaftlichen Hintergrund. Aber wie müßte eigentlich ein Planet aussehen bzw. beschaffen sein, um überhaupt Leben tragen zu können? Und wie häufig wären solche Planeten im Universum zu finden - wenn es sie denn gibt?
Auf diese und weitere Fragen, was es mit Leben im Universum auf sich hat, geben die Autoren in diesem Buch umfassende, fachlich fundierte und begründete Antworten.
Meine Meinung
Das ist eines der wenigen Male, daß ich ein Buch las, von dem ich von Beginn an der Meinung war, daß die Autoren nicht recht haben. Denn ich bin durchaus der Meinung, daß die Erde nicht der einzige bewohnte Planet im Universum ist. Zu dieser Überzeugung kam ich u. a. durch die Lektüre des Buches „Sind wir allein?“ von Sebastian von Hoerner (erschienen 2003), das ich 2005 gelesen habe. Als mir dann dieses Buch hier begegnete, welches die entgegengesetzte Meinung vertritt (und zwei Jahre vor dem erwähnten anderen Buch erschien), war mein Interesse geweckt, auch wenn ich anderer Meinung war. Aber es kann ja nie schaden, verschiedene Argumentationen kennenzulernen.
Und so war ich denn gespannt, ob die Autoren mich von ihrer Meinung würden überzeugen können.
Nun, nach Beendigung des Buches ist die eindeutige und klare Antwort ein ganz entschiedenes „Jein“. Zumal die Autoren auf der letzten Seite selbst schreiben: „Wir Menschen sind wie zweijährige, die gerade eben damit beginnen, die Größe, die Wunder und die Gefahren der weiten Welt zu verstehen.“ (S. 330) Wie will man mit diesem Wissensstand die Eingangsfrage des Buches letztgültig beantworten können?
Allerdings muß man den Autoren eines lassen: für „zweijährige“ haben sie eine außerordentlich gründliche Darstellung vorgelegt, um ihre These, daß die Erde vermutlich ein Einzelfall im Universum ist, argumentativ zu untermauern. Da ich in letzter Zeit schon einige Bücher über die Entwicklung des Lebens auf der Erde bzw. die Entstehung des Universums gelesen habe, kam mir Manches natürlich vertraut vor bzw. war aus anderen Büchern bekannt. Allerdings nicht unbedingt in der Weise, wie die Autoren diese Informationen hier verarbeiten und darstellen.
Äußerst gründlich, aber immer gut verständlich und nachvollziehbar, entwickeln sie Punkt für Punkt ihre These, daß es im Universum zwar vermutlich auf vielen Planeten Leben niederer Art gibt, daß höheres Leben wie hier auf der Erde jedoch äußerst selten bis eventuell möglicherweise sogar einmalig ist. Dabei hat mich überrascht, wie viele Faktoren die Verfasser akribisch aufführen und beschreiben, die für Leben - und Überleben - notwendig sind. Das beginnt mit grundsätzlichen Überlegungen zum Leben im Universum, geht über die genaue Beschreibung der bewohnbaren Zone um einen Stern, über die Entstehung des Lebens und weitere „Zwischenstationen“ bis hin zur Plattentektonik. Dieses Kapitel hat mich am meisten überrascht - hätte ich doch nie gedacht, daß auch diese ein wesentlicher Faktor für das Leben bzw. das Überleben des Lebens, wie wir es kennen, ist.
Natürlich wird auch die Frage diskutiert, ob das Leben auf einem anderen Planeten entstanden sein könnte und dann, etwa durch Meteoriten, auf die Erde gebracht wurde. Womit das Problem, wie das Leben eigentlich entstanden ist, auf einen anderen Planeten „ausgelagert“ wäre und hier nicht mehr erörtert zu werden braucht.
Besonders aufgefallen ist mir übrigens die Fähigkeit und Bereitschaft der Autoren zur Selbstkritik. Sie geben zu, daß sie in ihrer Argumentation von Leben, wie wir es kennen, ausgehen und dies verallgemeinern - und daß dies möglicherweise falsch ist. Wenngleich die Autoren natürlich davon überzeugt sind, daß ihre Darstellung zutrifft. (Vgl. S. 324) Aber wenn sie anderer Meinung wären, hätten sie dieses Buch nicht geschrieben.
Beim Lesen muß man sich natürlich auch vergegenwärtigen, daß das Buch rund fünfundzwanzig Jahre alt ist und Forschungsergebnisse seither nicht berücksichtigt sind. Allerdings sind die im Buch behandelten Themen sicherlich auch heute noch aktuell, so daß man auf jeden Fall eine fundierte Grundlage zur Problematik der Existenz von Leben niederer wie höherer Art bekommt. In dieser Hinsicht (aber sicher nicht nur in dieser) ist das Buch auch heute noch gut lesbar und vermag viel Wissen zu vermitteln.
Ausgelesen konnte ich nur staunen, wie viele Faktoren in exakt der Weise, wie hier auf der Erde, zusammen kommen mußten, damit Leben entstehen, fortdauern und sich bis hin zum Menschen entwickeln konnte. In Relation dazu ist die Wahrscheinlichkeit, beim Lotto mehrfach im Leben einen Sechser mit Zusatzzahl zu treffen, drastisch höher, als die Wahrscheinlichkeit der Existenz von Leben. Was der Überlegung Raum gibt, ob hier wirklich nur der Zufall oder doch ein planender Geist (Gott) am Werke war. Diese Frage wird allerdings jeder für sich selbst beantworten müssen.
Mein Fazit
Eine sehr ausführliche und gut verständliche Darstellung der Bedingungen für das Leben allgemein sowie der Möglichkeit, daß es auf anderen Planeten Leben gibt. Wenn man sich für die Thematik interessiert, ein sehr empfehlenswertes Buch.
Über die Autoren (Verlagsangabe im Buch)
Peter D. Ward ist Professor für Geowissenschaften an der Universität Washington in Seattle, USA. Von Haus aus Paläontologe hat er sich intensiv mit der Erforschung von Ammoniten beschäftigt. Er ist außerdem Experte für das weltweite Massensterben der Arten.
Donald Brownlee ist Professor für Astronomie an der Universität von Washington in Seattle, USA, und Mitglied des NASA Astrobiologie Programms. Seine Forschung konzentriert sich auf die Untersuchung kosmischer Staubproben, auf Kometen, Meteoriten sowie die Entstehung des Sonnensystems. Er ist außerdem Forschungsleiter der NASA Stardust Mission, die Proben von Kometen sammeln und zur Erde bringen soll.
Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
374 Seiten, zahlreiche Illustrationen, Grafiken, Tabellen, gebunden mit Schutzumschlag
Originaltitel: Rare Earth. Why Complex Life is Uncommon in the Universe
Aus dem Englischen von Prof. Dr. Eckard Helmers
Verlag: Springer Verlag, Berlin-Heidelberg, 2001
ISBN-10: 3-540-41365-0; ISBN-13: 978-3-540-41365-3
