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Der fundamentale Unterschied von Christentum und Islam kann allein schon am jeweils traditionellen (also vorkritischen) Verständnis ihrer heiligen Bücher aufgezeigt werden. (Seite 15)

 

Cover: Koran und BibelZum Inhalt

Christentum und Islam haben je ein heiliges Buch. Und es heißt, es gäbe viele Gemeinsamkeiten. Doch, so es sie gibt, wo liegen diese? Was findet sich darüber in den „grundlegenden Urkunden“ der beiden Religionen?
Der Autor bietet in diesem Buch einen „Vergleich“ der beiden Bücher Bibel und Koran. Dabei beschränkt er sich auf Wesentliche Punkte, die in beiden Religionen von jeweils allen Konfessionen akzeptiert werden. Damit werden zwar viele aktuelle und historisch-kritische Diskussionen ausgelassen, jedoch der Blick auf die wirklich wesentlichen und zeitlos gültigen Fragen gelenkt. So wird bald deutlich, wo das Verbindende - aber auch das Trennende liegt.

 

 

 

Meine Meinung

Im Laufe der letzten Monate habe ich etliche Bücher über den Islam gelesen, jetzt dieses zum „Vergleich“ Bibel und Koran. Von all den gelesenen war dieses das mit deutlichem Abstand beste, weil der Autor auf überschaubarem Raum einen Überblick über die wesentlichen Aussagen und Inhalte der den Religionen zugrunde liegenden „Urkunden“, also ihrer heiligen Bücher, gibt. Das Buch ist bereits in 7. (erweiterter) Auflage erschienen, liegt auch in Übersetzung vor und das Feedback von islamischer Seite an den Autor zeigt, daß er dessen Positionen „korrekt und fair“ dargestellt hat (vgl. S. 9)

Das Buch weist einen klaren Aufbau auf, der es auch als Nachschlagewerk benutzbar macht. Zu jedem Thema gibt es zunächst kurz die Sicht des Korans, dann die der Bibel und anschließend die Erläuterungen dazu. Alleine beim Lesen wird bald deutlich, daß es mehr Trennendes als Verbindendes gibt, daß beiden Religionen ein völlig unterschiedliches Gottesbild zugrunde liegt und damit auch eine sehr verschiedene Sicht auf die Welt - und den Staat. Im Islam gibt es keine Trennung von „Staat und Kirche“, denn von seinem (des Korans, Anm. von mir) Schriftverständnis her wird er immer darauf abzielen, dass nicht nur die Moschee, sondern auch der Staat dem islamischen Recht untersteht und die gesamte Schöpfung und Lebenswirklichkeit vom Koran her gestaltet wird. (S. 77) Wie anders wirkt in diesem Zusammenhang der Satz Jesu Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. (S. 78, Mt 22,21, Mk 12,17, Lk 20,25) Wenn man so will, wird die Trennung von Staat und Kirche sowohl von Jesus selbst als auch den Aposteln (z. B. Römer, 13,1-7) bestätigt und unterstützt.

Aber der grundlegende Unterschied zeigt sich im Verständnis von Koran und Bibel. Der Koran gilt im Islam als von Ewigkeit her im Himmel existent; er wurde über einen Zeitraum von 22 Jahren an Mohammed „herabgesandt“, der alleinige Autor ist Allah. Die einzige gültige Fassung ist die im klassischen Arabisch, Übersetzungen im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es nicht, nur „Deutungen“ in andere Sprachen. (vgl. S. 28f) Wichtig ist, den Koran in der Ursprungssprache zu lesen und zu zitieren, unabhängig davon, ob man das versteht oder nicht. Ein gleiches gilt auch für Gebete. Es ist nicht zulässig, mit Mitteln der Textkritik an den Koran heranzugehen - tut man es doch, kann es in Extremfällen zum Todesurteil führen.

Ganz anders auch hier wieder die Bibel. Sie gilt als von Gott inspiriert und als Gottes Wort, aber durchweg geschaffen von Menschen, die ihrer jeweiligen Zeit und Herkunft verhaftet waren. Sie ist über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten entstanden, beinhaltet viele verschiedene (Schreib-)Stile und soll ausdrücklich in viele Sprachen übersetzt werden, damit die Menschen nicht nur den Klang hören, sondern vor allem verstehen, worum es geht. Schon die Jesusworte sind in der damaligen „Weltsprache“ Griechisch, nicht jedoch auf Aramäisch, was Jesus vermutlich sprach, überliefert. Ein textkritisches Herangehen an den Text ist seit jeher selbstverständlich.

Sowohl für den Islam als auch für das Christentum hat der Autor nur Positionen beschrieben, die jeweils allen Konfessionen gemeinsam sind. Dadurch bleiben historische Entwicklungen zwar außen vor, jedoch werden durch die diese Konzentration auf das Wesentliche, von jeweils allen anerkannte, die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten besonders deutlich sichtbar. Was mir immer wieder auffiel, ist das völlig verschiedene Gottesbild in beiden Religionen. Je weiter ich im Buch voran kam, um so schwerer wurde es für mich, davon auszugehen, daß Christentum und Islam den selben Gott verehren. Denn die Darstellung Allahs im Koran ist sehr verschieden von der Gottes in der Bibel, welcher sich schlußendlich in der Person Jesu selbst geoffenbart hat.

Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über die beiden wohl einflussreichsten und am häufigsten übersetzten Bücher der Geschichte (S. 11). Durch den klaren Aufbau, ergänzt durch ein Verzeichnis weiterführender Literatur, ist es nicht nur zum chronologischen Lesen, sondern später auch als Nachschlagewerk geeignet. Das bisher beste Buch, das ich bisher zum Thema „Christentum und Islam“ gelesen habe.

 

Mein Fazit

Eine fundierte und sachliche „Gegenüberstellung“ von Bibel und Koran sowie deren Hauptinhalten, die Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede deutlich aufzeigt. Sehr empfehlens- und lesenswert, will man sich überblicksmäßig über beide Religionen informieren.

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Über den Autor

Thomas Schirrmacher, Jahrgang 1960, hat Vergleichende Religionswissenschaft, Völkerkunde, Soziologie und Kulturanthropologie studiert. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz und seit 2014 Präsident des Internationalen Rates der International Society for Human Rights. Er war als Sachverständiger für den Bundestag tätig, nahm 2015 an der von Papst Franziskus einberufenen katholischen Familiensynode teil. Er hat über achtzig Bücher veröffentlicht, die teilweise in andere Sprachen übersetzt wurden.

Bibliographische Angaben

160 Seiten, kartoniert
Verlag: SCM Verlag, Holzgerlingen 2017. ISBN 978-3-7751-5774-2