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Eigentlich hatte sie geglaubt, ihren Weg gefunden zu haben, aber jetzt stand sie wieder an derselben Stelle, an der sie angefangen hatte. (Seite 73)

 

Cover: Winter in Briar CreekZum Inhalt

Eigentlich wollte Grace Madison nie nach Briar Creek zurück kommen, doch nach dem Tod des Vaters braucht ihre Familie sie. Zurück zuhause hat sich viel verändert; aber manches ist geblieben. So ist es letztlich nicht vermeidbar, daß sie Luke Hastings, der ihr vor fünf Jahren das Herz brach, über den Weg läuft. Während der Weihnachtsvorbereitungen und den Überlegungen, was mit dem Buchladen des Vaters geschehen soll, muß sie sich den Dämonen der Vergangenheit stellen.

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Im Dezember lese ich bevorzugt Romane, die sich als „Weihnachtsbücher“ bezeichnen lassen. Diese Einordnung trifft mal mehr, mal weniger zu. Manchmal wird es schon aus dem Titel klar, manchmal wird man etwas in die Irre geführt. Das ist sicherlich nicht der Fall, denn Coverabbildung wie Titel passen erfreulicherweise zum Inhalt: einem Winterbuch mit weihnachtlichem Einschlag.

Die Autorin entführt die Leser in die Kleinstadt Briar Creek im Bundesstaat Vermont, wo es - im Gegensatz zu hier - im Dezember ordentlich kalt ist und Schneemengen hat, wie ich sie nur noch aus meiner Kindheit in Erinnerung habe. Grace Madison war vor fünf Jahren nach Nedw York gezogen, nachdem die Beziehung mit ihrem Jugendfreund Luke Hastings in die Brüche gegangen war. Er hatte geheiratet, ist inzwischen jedoch seit rund zwei Jahren Witwer, sie hat ihren Traum einer Schriftstellerkarriere verwirklicht, steckt jedoch in einer Krise, zumal sie ihre Verlobung gelöst hat. Nach dem Tod des Vaters kehrt sie nach Hause zurück, um ihrer Mutter und ihren Schwestern zu helfen. Sehr bald muß sie jedoch die Erfahrung machen, daß die Zeit weder Wunden heilt noch unerledigte Dinge der Vergangenheit zu einem Abschluß bringt.

Und so ist es keine heile Welt, in die sie zurück kehrt, sondern in gewisser Weise muß sie da weiter machen, wo sie vor fünf Jahren aufgehört hat. Es ist ein teilweise schmerzhafter Weg zur Erkenntnis, daß man mit der Vergangenheit abschließen muß, wenn man die Zukunft leben will. Oder überhaupt leben will. Aber nicht nur sie, auch Luke muß diese Erfahrung machen, denn auch bei ihm werden alte Wunden aufgerissen, als Grace plötzlich vor ihm steht.

Es dauert eine ganze Zeit, eigentlich bis ins letzte Drittel des Buches, bis man als Leser so einigermaßen überblickt, was damals geschehen ist, daß beide dermaßen verletzt sind. Diese vielen Andeutungen, die dramaturgisch bedingt sein mögen, haben mich hier allerdings eher etwas genervt denn die Spannung hoch gehalten. Ich hätte mir gewünscht, schon früher zu wissen, worum es eigentlich ging, hatte an manchen Stellen das Gefühl, als ob die beiden aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hätten, und konnte ihre Probleme miteinander nicht so richtig nachvollziehen. Aus meiner Sicht wäre es interessanter und spannender gewesen, schon früher die Details zu kennen und dann zu verfolgen, wie die beiden damit umgehen, um die Situation zu lösen.

Das ist allerdings mein einziger wirklicher Kritikpunkt, abgesehen davon, daß natürlich auch hier Grace wie Luke Musterexemplare ihrer Gattung sind. Dankenswerterweise hat die Autorin allerdings darauf verzichtet, das allzu oft zu betonen (wie mir das in anderen Büchern begegnet ist). Andererseits könnte das Buch gut eine Vorlage zu einem Hallmark-Film abgeben, und dann würde das passen.

Ein Thema, das immer wieder auftaucht, ist der Umgang mit der Vergangenheit und tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlern und deren Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft. Ebenso die Frage nach tatsächlicher wie vermeintlicher Schuld und den Umgang damit. Das wiederum schien mir recht realistisch dargestellt zu sein; die sich für die Figuren ergebenden Probleme waren nachvollziehbar und werden vermutlich manchem nur zu bekannt vorkommen.

Figuren wie Handlungsorte konnte ich mir gut vorstellen, Briar Creek zur Weihnachtszeit, vor allem auch Main Street Books, würde ich gerne mal im Original kennenlernen. Obwohl - das würde den Buchetat vermutlich (zu) stark belasten - also doch lieber nicht. ;-) Olivia Miles hat einen flüssigen Schreibstil; durch den häufigen Wechsel der Perspektive zwischen Grace und Luke kannte ich beide Seiten und es entstand ein Sog, immer weiter lesen zu wollen.

Am Ende sind die offenen Fäden der Haupthandlung zu einem Ende geführt, während bei den Schwestern noch genügend ungelöst bleibt, so daß für die folgenden Bände (im Original bisher deren drei) genügend Stoff vorhanden ist. Ich freue mich darauf und werde den für 2016 auf Deutsch angekündigten zweiten Band gewißlich sehr bald nach Erscheinen lesen.

 

Kurzfassung

Ein Winterbuch mit weihnachtlichem Einschlag, das einige schöne Lesestunden bietet und Lust auf mehr von der Autorin gemacht hat.

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Über die Autorin

Olivia Miles ist zwar Großstädterin, hat aber ein Faible für Kleinstädte. Sie hat 2011 den Harlequin Happy Holidays Wettbewerb gewonnen; mit ihrer Familie lebt Sie im Großraum Chicago.

Bibliographische Angaben

422 Seiten, Klappenbroschur
Originaltitel: Mistletoe on Main Street. Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke
Verlag: Egmont Lyx, Köln 2015

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