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Cover: Magie der WeihnachtZum Inhalt

Mark Smart kommt die festliche Weihnachtszeit vor wie ein Albtraum: Seine Mutter ist bei einem schrecklichen Autounfall gestorben, seine Zukunftspläne sind dahin, und seine Freundin hat ihn ohne mit der Wimper zu zucken verlassen. Als er dann noch in einer verschneiten Novembernacht mit dem Wagen liegenbleibt, ist er kurz davor, die Nerven zu verlieren. Er steigt aus, um Hilfe zu finden, und ahnt nicht, dass er schon bald selbst für eine junge Frau namens Macy zum Weihnachtsengel werden wird. In einem kleinen Café in der Nähe wartet eine verwunschene Geschichte auf Mark, die auch für ihn das Glück birgt: den wiedergefundenen Glauben an sich selbst und die Liebe seines Lebens. Zusammen mit Macy begibt er sich auf die Suche nach ihrer Schwester, von der sie in früher Kindheit getrennt wurde. So beginnt die Suche nach Noel, die das Leben so vieler Menschen für immer verändern wird.

 

 

Kommentar / Meine Meinung


Eines kann Richard Paul Evans: Bücher schreiben, die in die Weihnachtszeit - aber eigentlich nicht nur in diese - passen. Weil sie, versteckt in einer Geschichte ohne „magische“ Elemente (lies Wunder), immer wieder auf das Grundsätzliche, das Wesentliche hinweisen und aufmerksam machen. And in the end all any of us are looking for is home. / Letztlich sind wir alle auf der Suche nach zuhause. Daher finde ich den deutschen Titel viel zu einengend, obwohl ich zugeben muß, daß sich das Wortspiel des Originaltitels schwerlich ins Deutsche übertragen läßt. „Finding Noel“ spielt auf die Suche nach Macys Schwester an, läßt sich aber auch als „Finding Noel“ (für „Weihnachten“) verstehen, eine Doppelbedeutung, die dem Inhalt, dem Suchen und Finden von weit mehr als nur Weihnacht, viel eher gerecht wird.

Wie schon die anderen Bücher dieses Autors, so hat mich auch dieses sehr schnell in seinen Bann gezogen. Jetzt ist mir etwas melancholisch zumute, daß ich die Personen, die ich eine zeitlang ihres Weges begleiten durfte, nun für immer verlassen muß. Andererseits hat Evans es (wieder) geschafft, mich innerlich tief berührt, zur Ruhe gekommen und ausgeglichen zurückzulassen. Seine Bücher fallen eindeutig in die Kategorie „Wohlfühlbücher“.

Mark wie auch Macy lernen wir, wie sich im Laufe des Buches herausstellt, an markanten Punkten ihres Lebens kennen. Mark wollte eigentlich seinem Leben ein Ende setzen, just an dem Abend, an welchem er Macy traf. Durch sie findet er zurück ins Leben. Gerade rechtzeitig, um Macy bei ihrer Suche nach deren Schwester zu helfen. Und auch Joette, bei der Macy wohnt, sieht in Mark - wenn auch aus ganz anderen Gründen - den „Engel“ für Macy, um welchen sie gebeten hat.

Mag sein, daß für manche so einiges Vorhersehbare, vielleicht die ein oder andere Fügung oder „Vergangenheitsbelastung“ zu viel im Buch ist. Und doch. Nicht alles ist, was es scheint. Nicht jede/-r ist so ausschließlich gut (oder ausschließlich schlecht), wie man vermuten dürfte. Bisweilen bedarf es schmerzlicher Prozesse und Erkenntnisse, bis man die Wirklichkeit so sieht, wie sie ist - nicht wie sie scheint.

Von solchem Suchen, solchen Erkenntnissen handelt das Buch. Gewiß läßt sich das Ende des Buches recht bald absehen (etwas anderes würde ich ehrlicherweise auch nicht erwarten und wäre verärgert, wenn es anders ausginge, vor allem nach den Andeutungen gleich auf der ersten Seite). Aber auf dem Weg dorthin gibt es doch so manch unvorhergesehenen Stolperstein und Umweg. „Der Weg ist das Ziel“ - so empfand ich es immer wieder. Es ist, wie es ist. Und nicht immer wie es scheint.

Zwischendurch erfahren wir immer wieder in Rückblenden, wie es Macy in ihrer Kindheit erging, und warum sie von ihrer Schwester getrennt wurde, welche Wunden sie mit sich trägt. Ist es ein Zufall, daß auch Marks Kindheit nicht unbedingt die unbeschwerteste, wenn auch auf ganz andere Weise, war? Man mag es, wenn man unbedingt will, als der Zufälle zu viele bezeichnen; doch ich bin sicher, es gibt solche Lebensläufe. Viele, vielleicht zu viele. Die Chancen, daß sich zwei Menschen mit Wunden aus der Vergangenheit treffen, sind also vermutlich höher, als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. (Und außerdem muß ja die Geschichte irgendwie in Gang kommen.)

Was mir an Richard Paul Evans Büchern immer wieder so gut gefällt, ist die positive, durchaus von christlicher Geisteshaltung geprägte Grundeinstellung, die immer wieder durchdringt. Mit den christlichen Tugenden der Nächstenliebe und des Verzeihens. Gäbe es mehr Menschen dieses Schlages (auch auf einige der Protagonisten bezogen), sähe unsere Welt um ein vielfaches besser aus. So bleibt es - leider - weithin auf Bücher beschränkt. Aber das ist immerhin ein Anfang.

 

Mein Fazit

Eine in der Tat und im positiven Sinne herzerwärmende Geschichte („heartwarming story“ klingt eigentlich besser) darüber, daß es hinter den Begegnungen von Menschen einen tieferen Sinn gibt, denn niemand kommt grundlos in unser Leben. Nicht nur in der Vorweihnachtszeit.

 

Ich habe das Buch bisher zwei Mal im amerikanischen Original gelesen. Schade, daß die deutsche Ausgabe schon vergriffen ist.

 

Bibliographische Angaben

Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
253 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Ehrenwirth Verlag (in der Verlagsgruppe Lübbe), Bergisch Gladbach 2008