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Man muss nicht stark genug sein, alles auf einmal zu bewältigen. Das ist keiner. Du musst nur stark genug für eine Sache sein. Sonst nichts. Dann ruhst du dich aus, und wenn du wieder bei Kräften bist, nimmst du die nächste Aufgabe in Angriff. (Seite 212)

 

Cover: Winterzauber im KerzenscheinZum Inhalt

Allie war elf Jahre lang bei einer Familie als Nanny tätig und ist nun arbeitslos. Ihre Schwester Megan verschafft ihr einen Übergangsjob als Hausverwalterin der Familie Marley. Robert, ihr Arbeitgeber, will das Familienanwesen Ashford verkaufen und steht anscheinend mit dem Rest der Familie auf keinem guten Fuß. Und er weigert sich, an Weihnachten nach Hause zu kommen.
Sein Bruder Kip ist ein Frauenheld, der von seinem Erbe lebt und sich sofort an Allie heranmacht. Die Großmutter Pippa scheint eine mürrische alte Dame zu sein, die an allem etwas auszusetzen hat. Sloane, die Schwester, schließlich kommt mit ihren beiden Kindern in gedrückter Stimmung an, denn sie steckt mitten in einer eher unangenehmen Scheidung. Keine guten Voraussetzungen also für ein frohes Weihnachtsfest.
Zumal der Verkauf des Hauses bevor steht, was Allie überhaupt nicht nachvollziehen kann. Sie setzt alles daran, dennoch ein gutes Weihnachtsfest zu organisieren. Aber nicht immer geht alles nach Plan, und nicht immer sind die Menschen, was sie auf den ersten Blick scheinen zu sein...

 

 

Meine Meinung

Früher hatte man wenigstens etwas in der Hand, ein Blatt Papier oder einen Stift, mit dem man die Finger beschäftigen konnte, wenn man etwas Schreiben wollte, aber nicht so recht den Anfang fand. Aber heute mit dem Bildschirm - eher ungünstig, wenn man die Finger wahllos über die Tasten gleiten läßt, es kommt selten etwas Sinnvolles heraus. Aber sinnvoll sollte es schon sein, und mehr als „hach, schön wars“ eigentlich auch.

Jetzt ist zwar der Einstieg geschafft, aber wie geht es weiter? Das Buch hatte ich mir schon letztes Jahr gekauft; zum Einen klang der Buchrückentext interessant, zum Zweiten scheint es im Angloamerikanischen Raum mit dem Titelschutz nicht so genau genommen zu werden: einer meiner Lieblings-Weihnachtsfilme trägt den selben Titel wie das Buch im Original: Coming Home For Christmas. Bei dem Titel konnte eigentlich nichts schief gehen - und ging auch nicht.

„Winterzauber im Kerzenschein“ ist nun nicht unbedingt ein weihnachtsbezogener Buchtitel, trifft es inhaltlich jedoch fast besser als der originale, wenngleich Kerzenschein eher weniger eine Rolle spielt. Zwar paßt der englische Titel gut zum Inhalt, denn das Nachhausekommen zu Weihnachten spielt eine große Rolle, aber das Buch läßt sich sehr gut außerhalb der Advents- und Weihnachtszeit lesen. Zwar kommt das Fest vor, und vieles im Buch steuert auf diese Tage zu, dennoch würde ich den Roman eher als ein „Winterbuch“ bezeichnen. Da das aber heute aber auf so ziemlich alle neuen Weihnachtsfilme und -bücher zutrifft, befindet er sich in guter Gesellschaft und braucht sich nicht zu verstecken.

Die Autorin hat mit diesem ihrem Erstlingswerk ein „Wohlfühlbuch“ geschrieben, das mir rundum gefallen hat. Sicher wird das Rad nicht neu erfunden, manche Konstellation hat man auch anderweitig schon gesehen bzw. gelesen (ich denke da etwa an das Verhalten von Kip) und bis in die letzte Verästelung mögen die Figuren auch nicht ausgestaltet sein. Aber das finde ich bei einem Unterhaltungsroman weder schlimm noch erwarte ich es überhaupt; im Gegenteil, wenn ich ehrlich bin, erhoffe ich Wieder-Erkennungseffekte und eine, zumindest gewisse, Vorhersehbarkeit, keinesfalls jedoch negative Überraschungen. Unvorhersehbarkeit und unangenehme Überraschungen gibt es im täglichen Leben wahrlich schon genug. In all diesen Dingen, der Buchrückentext hatte es schon angedeutet, hat das Buch meine Erwartungen erfüllt und in manchem positiv übertroffen.

Die Figuren konnte ich mir gut vorstellen, das Anwesen Ashford würde mir auch gefallen, nur an die Unterhaltskosten möchte ich eigentlich nicht so recht denken. Die Handlung hat sich folgerichtig entwickelt, die Personen, bis auf vielleicht ein, zwei Szenen, glaubwürdig gedacht und sich verhalten. Besonders wohltuend empfand ich - und möchte es daher lobend hervorheben - daß, im Gegensatz zu so manchen anderem Buch, das sich „Weihnachtsbuch“ nennt, Figuren wie Lesern „Schlafzimmerszenen“ erspart blieben. Solche passen meiner Meinung nach nicht zu so einem Roman und die Autorin hat überzeugend bewiesen, daß man Gefühle auch anders zeigen und beschreiben kann, als daß die Figuren „übereinander herfallen“. Daß trotz dem Vorgesagten nicht alles immer kerzengerade verlief, schuf genau das richtige Maß Spannung, das für solch einen Roman vonnöten ist, damit man ihn nur schwer aus der Hand legen kann.

Am Ende angekommen, war dann alles so weit klar, und das Buch konnte ruhig, zufrieden und mit einem Wohlgefühl im Bauch zugeklappt werden. Daß die Autorin auf Ihrer Webseite allerdings die Leser fragt, wie denn eine Fortsetzung weitergehen könnte, läßt der Hoffnung Raum, den inzwischen vertraut gewordenen Figuren in einem anderen Buch wieder begegnen zu können. Schön wär’s - und ich würde es sofort lesen wollen.

 

Mein Fazit

Ein gut zu lesender Roman, der nicht unbedingt Weihnachtsstimmung erzeugt, aber doch ein wohliges und zufriedenes Gefühl beim Lesen und danach vermittelt.

 

Über die Autorin

Es gibt nicht viele Informationen zur Autorin. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und dies ist ihr erster Roman (mehr gibt ihre eigene Webseite auch nicht her).

Bibliographische Angaben

335 Seiten, kartoniert.
Originaltitel: Coming Home For Christmas. Aus dem Amerikanischen von Sabine Schilasky
Verlag: Bastei Lübbe Verlag, Köln 2015. ISBN 978-3-404-17268-9