„Vielleicht ist das das Wesentliche, Mr. McIntyre“, meinte sie mit gedankenvoller und melancholischer Stimme. „Vielleicht müssen wir hin und wieder einen Teil unseres Reiches aufgeben – das, was uns am meisten bedeutet –, um herauszufinden, was Gott für uns will.“ (S. 48)
Charles McIntyre ist der absolute Herrscher der von ihm gegründeten Minenstadt Defiance in den Rocky Mountains Colorados. Hier herrschen Alkohol, Gewalt und Prostitution. Doch er will die Stadt nach den ersten wilden Jahren in eine zivilisierte Stadt verwandeln, in der auch die neue Eisenbahn hält. Ein erster Schritt soll die Eröffnung eines seriösen Hotels sein.
Die drei Schwestern Naomi, Rebecca und Hannah sind eigentlich auf dem Weg nach Californien, stranden nach dem Tod von Naomis Mann jedoch in Defiance. McIntyre überläßt Naomi das für das Hotel vorgesehene Gebäude, wenn die Schwestern dort ein Hotel und Restaurant eröffnen. Diese sehen das als Wink Gottes - und bleiben. Aber so einfach ist es nicht, eine gesetzlose Stadt in eine zivilisierte zu verwandeln. Schon bald tobt ein Kampf auf Leben und Tod - mit ungewissem Ausgang.
Meine Meinung
Nachdem ich kürzlich die Novella „In Time for Christmas“ gelesen habe, wollte ich nun die Reihe, zu der diese gehört, selbst kennen lernen und begann mit dem ersten Band. Wie schon die Novella, hat mich auch dieser Roman in mancherlei Hinsicht überrascht. Ich habe schon etliche Western - auch harte - gelesen. Aber nie hätte ich erwartet, daß ich einem christlich geprägten Buch die rauhen Sitten und Umstände in einer Goldgräberstadt so ungeschönt und drastisch beschrieben werden, wie hier. Ich fühlte mich an einen Italowestern erinnert, in dem nichts sauber und kaum jemand gut ist, dafür aber allüberorts die Gewalt herrscht. Auch, wenn vieles nicht bis ins letzte Detail geschildert wird, hat man doch einen ziemlich guten Eindruck, wie die Verhältnisse sind und was in der Stadt so passiert.
Im Gegensatz zur Novella mit ihren phantastischen Elementen herrscht hier die harte Realität vor. Das fängt damit an, daß auf dem Weg nach Californien, wo Verwandte leben, Naomis Ehemann John durch einen Unfall ums Leben kommt. Kurz darauf erreichen sie die Goldgräberstadt Defiance, und aus einem Impuls heraus beschließen sie, hier zu bleiben. Zumal ihnen Charles McIntyre, der Herrscher der Stadt, ein Gebäude, das für ein Hotel gedacht ist, überaus günstig überläßt. Der hatte nämlich beschlossen, daß aus der üblen Wild West Stadt eine zivilisierte werden soll. Und er will einen Bahnanschluß - doch der kommt eben nicht in eine Stadt, in der das Laster herrscht.
Und so stehen sich, wenn man so will (und auf dem Cover zu lesen ist), die himmlischen (in Gestalt der Schwestern) und die höllischen (in Gestalt von McIntyre und anderen) Mächte gegenüber und fechten mit harten Bandagen ihren Kampf aus. Aber recht bald tritt zutage, daß die „himmlischen Mächte“ auch ihre Fehler und Schwächen haben, wie es auch bei den „höllischen Mächten“ gute Seiten gibt, von einem reinen schwarz/weiß-Szenario also keine Rede sein kann, was auf beiden Seiten eine gewisse Verwunderung und auch Nachdenken auslöst. Mich hat im Verlauf des Lesens eine zunächst völlig unvorhergesehene Wendung in Erstaunen versetzt, die ich so nicht auf dem Schirm hatte (die bei genauerem Nachdenken und dem Ansatz des Buches allerdings nicht ganz so unvorhergesehen wirkt - aber erst, wenn man sie gelesen hat).
Der Autorin ist wichtig, daß sie christlich geprägte Bücher schreibt; so taucht diese Thematik auch hier auf. Personifiziert stehen sich die beiden Richtungen "Gut" und "Böse" (oder, wenn man so will, "Himmel" und "Hölle") in Gestalt der Schwestern auf der einen und Charles McIntyre auf der anderen Seite gegenüber. Die ganze Entwicklung gipfelt letztlich in einem filmreifen Showdown, bevor das Buch ruhig ausklingen und den Boden für die nächsten Bände bereiten kann.
Mein Fazit
Ein Western mit nachdenklichen Passagen und filmreifem Showdown - ein gelungener Auftakt zur Buchreihe.
Über die Autorin
Heather Blanton wuchs in North Carolina auf und war als Journalistin tätig. Sie hat inzwischen über dreißig Romane geschrieben, die alle mehr oder weniger im Genre „Christian Western Romance“ angesiedelt sind.
Originaltext und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe
* = „Maybe that’s what this is all about, Mr McIntyre,“ she suggested, sounding both wistful and melancholy. „Maybe, now and then, we have to give up a portion of our kingdoms - the things we hold dearest - to find, what it is God wants for us. (S. 48)
Ca. 320 Seiten, eBook (Kindle)
Reihe: Romance in the Rockies 1
Verlag: CKN Christian Publishing 2024; ISBN-13: 979-8895670415; Amazon-ASIN: B0DNP1NZVQ
Erhältlich auch als Taschenbuch:
Ca. 320 Seiten, kartoniert
Reihe: Romance in the Rockies 1
Verlag: CKN Christian Publishing 2024; ISBN-13: 979-8895670422
