Sie hatte sich mit ihrem unvermeidlichen Ende abgefunden, spürte, wie sich ihr pochendes Herz langsam wieder beruhigte, und atmete schicksalsergeben aus. (Seite 154f)

Cover: Duel at Low HawkZum Inhalt

Als Boot Stoner nach zwölfjähriger Haft aus derselben entlassen wird, hat er nur einen Gedanken: Rache. Plündernd und mordend macht er sich auf den Weg nach Oklahoma und entführt „nebenbei“ noch seine Stiefschwester, die er als Sklavin hält und mißbraucht.
Im ganzen Staat gibt es nur einen Mann, der ihn stoppen und das Mädchen retten kann: U.S. Deputy Marshal John Ward. Er hat bisher noch jeden Verbrecher zur Strecke gebracht - und das wird auch dieses Mal vermutlich der Fall sein. Es beginnt eine gnadenlose Jagd auf Leben und Tod.

 

 

 

Meine Meinung

Es sind vor allem die klaren Verhältnisse, die ich an den Romanen von Charles G. West schätze: die Guten sind gut, die Bösen sind böse - und am Ende gewinnt normalerweise das (bzw. der) Gute. In einer Welt, in der so gut wie nichts mehr sicher ist (außer der Unsicherheit) und in der man weder den Begriff „normal“ noch „rational“ zu kennen scheint, kann es beruhigend sein, sich zumindest für einige Zeit aus der realen in eine imaginäre Buchwelt zurückzuziehen, abzuschalten und dabei etwas Normalität zu tanken, um dann gestärkt in den Alltag zurückzukehren und es mit den Widrigkeiten der Welt wieder aufzunehmen.

Aber manchmal ist das Klare nicht so klar, und der Gegensatz zwischen Gut und Böse so riesengroß, daß ein Teil der Erholung benötigt wird, um mit diesem Gegensatz zurecht zu kommen. So erging es mir mit diesem Buch.

Als das Halbblut Boot Stoner nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, hat er nur einen Gedanken: Rache um jeden Preis. So macht er sich auf den Weg, jenen zu töten und dessen Familie auszulöschen, der seinerzeit vor Gericht ausgesagt und ihn damit ins Gefängnis gebracht hatte. Seinen Reiseweg hin zu dem Zeugen kann man leicht verfolgen: man muß nur der Spur von Gewalt, Raub und Mord folgen und schon weiß man, welche Route Stoner genommen hat. Im Indian Territory gibt es nur einen, der ihn stoppen kann: U.S. Deputy Marshal John Ward wird auf Stoner angesetzt, ihn zurück zu bringen: tot oder lebendig.

So macht er sich denn auf den Weg, den Verbrecher zu schnappen. Von diesem Weg erzählt das Buch. Boot Stoner ist ein kühler, eiskalter Killer, der zudem Freude daran hat, andere zu quälen. Zu all dem hat er auf seinem Ritt genügend Gelegenheit, und kaum jemand, dem er begegnet, wird dies überleben. Ich bin von so manchem Western einiges gewohnt und kann recht viel vertragen, aber hier empfand ich es des Bösen denn doch etwas zu viel. West geht nie ins Detail, mit wenigen Worten vermag er zu schildern, was passiert. Was nicht im Buch steht, ergibt sich eindeutig aus dem Geschriebenen, so daß man es sich gut vorstellen kann. Was mir hier Probleme bereitet hat, war die schiere Menge der Toten. Irgendwann wollte ich nur noch, daß John Ward den Verbrecher endlich zur Strecke bringt, damit die Mordserie ein Ende hat. Der Roman klingt dann zwar versöhnlich aus, aber das hat es für mich dann auch nicht mehr herausgerissen.

Insgesamt ein typischer Western des Autors: gut lesbar, klare Handlung, hart und rauh wie der Wilde Westen war. Aber alleine durch die schiere „Menge“ des Bösen hat das hier für mich doch das Übergewicht behalten. Ein Teil der Entspannung ging also dafür drauf, dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen.

 

Mein Fazit

Ein harter, klarer und brutaler Western mit hoher Todesrate - sicher nichts für Zartbesaitete.

 

Über den Autor

Charles G. West lebt mit seiner Frau in Ocala/FA; das Paar hat zwei erwachsene Söhne. West hatte früher ein Unternehmen in der Satz- und Druckbranche, ist seit 1998 jedoch hauptberuflich Schriftsteller.

Originaltext und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

280 Seiten, kartoniert
Verlag: Berkeley, New York 2022; ISBN 978-0-593-44146-6

 

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