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Es klingt genau wie ein Psalm, dachte Mercy. Auch ich danke meinem Schöpfer. Aber die Indianer und ich - wir danken Ihm für unterschiedliche Dinge und gewiss bitten wir um unterschiedliche Dinge. (Seite 143)

 

Cover: Lösegeld für Mercy CarterZum Inhalt

Ende Februar 1704 wird der Ort Deerfield in Massachusetts, in welchem englische Siedler wohnen, von Indianern überfallen. Die meisten der Überlebenden werden in Gefangenschaft geführt, unter ihnen ist die elfjährige Mercy Carter.
Nach einem langen und anstrengenden Marsch kommt sie in ihrer neuen „Heimat“ und in ihrer neuen Familie an. Nun gilt es, mit der Situation, in einer völlig anderen Kultur leben zu müssen, umzugehen. Immer wieder stellt sie sich die Frage, wo sie eigentlich hin gehört - und ob sie eines Tages zurück möchte.

 

 

 

Meine Meinung

Es ist etliche Jahre her, daß ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das eindeutig ein Jugendbuch war. Da mich die Thematik interessiert, griff ich nun zu diesem. Man merkt sowohl dem Stil, der Figurenentwicklung als auch der Schilderung der Handlung an, daß es sich um ein Jugendbuch handelt. Dieses bitte ich allerdings nicht als Kritik, sondern als schlichte Feststellung zu verstehen und ist somit positiv zu sehen. Man kann das Buch, auch wenn einige schlimme Dinge passieren, Jugendlichen zu lesen geben, da eben diese „schlimmen Dinge“ sehr zurückhaltend beschrieben sind, so daß auch zartere Gemüter eigentlich keine Alpträume davon bekommen sollten.

Den Geschehnissen im Buch liegen tatsächliche historische Ereignisse zugrunde, im Nachwort erfahren wir, daß viele der vorkommenden Personen tatsächlich gelebt und das Beschriebene erlebt (und erlitten) haben. Schön fand ich, daß in diesem Zusammenhang auch berichtet wird, was aus den Personen nach Ende des Buches geworden ist.

In der letzten Zeit habe ich einige Bücher gelesen, die bei den Indianern spielen bzw. deren Geschichte zum Thema haben. Die Autorin hat ihre Hausaufgaben hervorragend erledigt und sehr gut recherchiert. Auch wenn das Buch schon einige Jahre alt ist, entsprechen die Denk- und Handlungsweisen der Mohawk dem, was ich kürzlich in einem Sachbuch zur Geschichte der Indianer ab 1700 gelesen habe. Auch die politischen Verhältnisse und Bündnisse zwischen bzw. gegeneinander (Indianer, Engländer und Franzosen) kamen mir sehr bekannt vor und kommen dem gleich, was ich wußte. Interessant war, dieses „theoretische Wissen“ hier ganz praktisch in einer Romanhandlung verarbeitet zu finden.

Besonders gut gefallen hat mir (und ist vermutlich nahe an der Realität) die Schilderung des inneren Konfliktes, in den Mercy durch die Gefangennahme und ihr Leben bei den Indianern gerät. Eine besondere Note gewinnt dies, wenn man berücksichtigt, daß sie aus einer puritanischen Familie stammt, die Indianer von den Franzosen jedoch zum katholischen Glauben bekehrt wurden. Somit treffen nicht nur die Kultur der „Weißen“ und „Roten“ aufeinander, sondern dazu noch die Gegensätze zwischen puritanischer Gesinnung und Katholizismus. Beide wurden damals nicht müde, den jeweils anderen als „ungläubig“ anzusehen und dazu verdammt, in die Hölle zu kommen. Nicht gerade günstige Voraussetzungen für den Seelenfrieden eines Kindes. Diese Konfliktsituation hat die Autorin für mein Dafürhalten sehr überzeugend und nachvollziehbar beschrieben.

Die Erzählweise hat einen Lesesog entwickelt, daß ich das Buch innerhalb von nur zwei Tagen ausgelesen habe. Fast tat es mir leid, am Ende angekommen zu sein, denn ich hätte Mercy und die anderen gerne noch ein Stück des Weges begleitet. Hier kommt dann das schon erwähnte Nachwort ins Spiel, in dem die Autorin genau dieses schildert. So habe ich das Buch dann nach zwar zu wenigen Seiten (ein gutes Buch darf immer etliche Seiten mehr enthalten), aber dennoch zufrieden zugeklappt und werde wohl noch so manches Mal an das Schicksal der Mercy Carter denken.

Und möglicherweise vor allem an die Frage, die Benjamin Franklin in diesem Zusammenhang aufstellt: Ben Franklin fragte sich, welches Leben besser sei - das eines Indianers oder das eines Siedlers - und kam zu der Antwort: "Die Erhaltung unserer Lebensweise erfordert zu viel Sorge und Mühe." (S. 242)

Wenn man sich unsere heutige Welt ansieht, ist dem eigentlich nichts hinzufügen. Außer Zustimmung.

Mein Fazit

Ein gut lesbarer (Jugend-)Roman über eine tatsächlich stattgefundene Gefangennahme von englischen Siedlerkindern durch einen Stamm der Mohawk, der das Leben im frühen 18. Jahrhundert und die Gegensätze zwischen „rot“ und „weiß“ zutreffend und eindrücklich schildert.

 

Über die Autorin

Caroline B. Cooney wurde 1947 in Greenwich (Conneticut) geboren. Sie hat drei erwachsene Kinder und lebt heute in South Carolina.

Bibliographische Angaben

246 Seiten, gebunden
Originaltitel: The Ransom of Mercy Carter. Aus dem Amerikanischen von Irmela Brender
Verlag: Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2004; ISBN 978-3-551-58116-7

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