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That journey wold take Zeke and Abby and the entire Cheyenne Nation down a road over which they would never be able to return. (S. 18*)
It seemed life was always a tangle of loving and hating, living and dying, greeting and saying good-bye. He wanted to weep, but could not. (Seite 444**)

 

Cover: Ride The Free WindZum Inhalt

Es ist Frühjahr 1846, einige Monate nach Ende des vorigen Bandes. Zeke und Abby sind unterwegs zu den Cheyenne, bei denen sie nach ihrer Heirat leben wollen. Dort angekommen, fällt es Abby trotz viel guten Willens nicht leicht, sich an die so ganz andere Denk- und Lebensweise zu gewöhnen. Erst als Folge einer Katastrophe gelingt die Integration.
Aber die schönen Tage für Zeke und Abby dauern nicht ewig, denn unaufhaltsam geht die Entwicklung zu Lasten der Indianer ihren Gang. Immer mehr Weiße drängen in die von den Cheyenne bewohnten Gebiete und behaupten, die Indianer hätten keine Rechte. Konfrontationen bleiben unausweichlich. Doch Abby ist nicht mehr das junge, unschuldige und unwissende Mädchen, als das sie einstens aus Tennessee aufgebrochen ist. An der Seite von Zeke und bei den Cheyenne ist sie trotz ihres jugendlichen Alters zu einer erwachsenen Frau herangereift, die den Wirrnissen und Härten des Lebens im Westen trotzen kann. Außerdem beschützt Zeke sie. Und niemand, der am Leben bleiben möchte, sollte Abby zu nahe treten oder sich mit ihm anlegen.

 

 

Hinweis
Inhaltsangabe wie Meine Meinung spoilern zwangsweise Ereignisse aus dem vorherigen Band!

 

Meine Meinung

So kann es einem gehen. Denn es ist bisher nur sehr selten vorgekommen, daß mich eine Serie dermaßen in den Bann gezogen hat, daß ich geradezu zwangsläufig nach Ende des ersten zum zweiten Band greifen mußte. Und diesen kaum beendet, den dritten beginne. Rosanne Bittner hat mit Cheyenne Zeke Monroe und Abigail Trent Monroe starke Figuren geschaffen, die, wie deren Schicksal, ich wohl den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen werde. Die Saga entwickelt einen schon fast unheimlichen Lesesog - auch, gerade oder trotz des überaus harten Schicksals, das die Figuren zu erleiden haben. Aber wer die Geschichte des Amerikanischen Westens in Grundzügen kennt, weiß ohnehin, auf was er sich eingelassen hat. Denn diese Saga wird aus Sicht der Verlierer erzählt.

Sicherlich läßt sich das Buch auch ohne Kenntnis des ersten Bandes verstehen, da die Autorin immer wieder, soweit notwendig, die entsprechenden Informationen über frühere Geschehnisse einfügt. Aber richtig verstehen kann man die Handlung - und die Figuren - nur, wenn man den ersten Band vollständig gelesen hat. Und wer diesen gelesen hat, wird an einigen Stellen über die wiederholten Rückblicke stolpern, die dann eher stören denn helfen.

Dabei erstaunt es mich immer wieder, wie sehr man aus diesem Buch massive Kritik an den weißen Amerikanern herauslesen kann. Die Autorin muß solche nicht mal expressis verbis äußern, es genügen die Schilderung historischer Ereignisse oder die Wiedergabe aus Sicht der weißen Amerikaner. Denn in diesem Buch wird der Fokus auch auf Ereignisse geworfen, die zwar gleichzeitig, jedoch in ganz anderen Teilen des Landes angesiedelt sind. Dadurch werden Entwicklungen offenbar, die in Zukunft zum Tragen kommen, und alles andere als erfreulich sind, dürften sich „unsere“ Protagonisten doch mitten im Zentrum der Entwicklungen wieder finden.

Doch erst einmal müssen Zeke und Abby ihr gemeinsames Leben einrichten. Da sie bei den Weißen nicht gelitten sind, gehen sie zu Beginn zu den Cheyenne, der Mutter und den Halbbrüdern Zekes. Für Abby beginnt eine nicht einfache Zeit, muß sie sich doch auf die so ganz andere Denk- und Lebensweise der Cheyenne einstellen und diese weitgehend annehmen, will sie mit ihnen leben können. Schwierigkeiten bleiben, bei allem guten Willen, nicht aus, und mehr als ein Mal steht das Gelingen auf der Kippe. Es bedarf einer Fastkatastrophe, um das Eis zu brechen. Die Entwicklung bis dahin und danach ist nachvollziehbar und könnte sich genau so ereignet haben.

Der Wendepunkt hier - und ein Höhepunkt des Buches - ist gewißlich die Schilderung des Rituals des Sonnentanzes, dem sich die jungen Krieger an der Schwelle der Jugend hin zum Erwachsenen unterziehen. Sowohl Abigail lernt dabei viel, als auch wir Leser. Vor allem, wenn im Nachgang Swift Arrow, der Halbbruder Zekes, die wahre Bedeutung des Begriffes „savage“ erklärt. Und sehr drastisch und überzeugend darlegt, daß sie „savages“ nicht die Indianer, sondern die Weißen sind (vgl. S. 270ff). Das ist nicht eine Sache des Standpunktes, sondern die einer nüchternen, neutralen Betrachtungsweise. Und die spricht in so gut wie allen Punkten für die angeblich ach so wilden Indianer. Denn, um es ganz kraß und aktuell zu formulieren, hätte sich die Gesellschaft mit deren Grundsätzen entwickelt, hätten wir heute keine Klimakatastrophe.

Das Buch folgt recht gut der historischen Entwicklung, wenngleich die meisten der auftretenden Figuren fiktiv sind. Deren Leben und Handeln ist jedoch so geschickt in die Zeitläufte eingebettet, daß man unwillkürlich im Lexikon nachschlagen will, ob das denn stimmt, was man da liest. Nicht bewußt war mir, wie relativ früh im 19. Jahrhundert die Probleme der schwindenden Bisonherden und der zunehmenden Probleme der Indianer akut wurden. Ich habe das bisher etwa ein bis zwei Jahrzehnte später angesetzt.

Es treten einige Figuren auf, deren weißer Rassismus nur schwer zu ertragen ist; allerdings war das damals bei vielen Weißen die vorherrschende Einstellung. Und allzuviel scheint sich nicht geändert haben in Amerika. Denn das, was derzeit aus dem Weißen Haus an Verbalattacken kommt, steht dem, was man hier im Buch lesen kann, nicht viel nach. „America Great Again“? War Amerika jemals groß, im Hinblick auf Menschenrechte und Menschlichkeit? Eher nicht. In dieser Hinsicht hat auch das heutige Amerika noch einen weiten Weg vor sich, bis es sich selbst mit Recht als „great“ bezeichnen kann.

Im Verlauf des Romanes ist von vielen Wanderungen die Rede, und das ergibt meinen einzigen richtigen Kritikpunkt: eine Landkarte wäre dringend angeraten, so habe ich mir einige Male die geographischen Gegebenheiten in einem Atlas herausgesucht.

Es gibt zwei Stellen im Buch, die sich als explizite Hinweise auf Kommendes verstehen lassen. Und beide verheißen nichts Gutes - weder für Zeke und Abby, noch für die Cheyenne oder die Indianer überhaupt. Es steht zu befürchten, daß in den folgenden Bänden das angedeutete Unheil zum Tragen kommt. Angesichts der Heftigkeit, mit der das die Hauptfiguren betreffen wird, kann man sich schon fragen, ob man sich die Folgebände wirklich antun will. Andererseits ist der Lauf der Geschichte bekannt, die vermutlichen Entwicklungen waren schon bei Lesebeginn zu erwarten.

Immer wieder gibt es erfreuliche Szenen im Buch, und der Autorin sei dank endet das Buch mit etlichen solchen; was nicht heißt, daß nicht eine leichte Melancholie über den letzten Seiten liegt. Nicht nur, weil das Buch zu Ende ist, sondern auch weil mit den erzählten Ereignissen eine Epoche zu Ende geht.

Nichts lebt lang. Nichts bleibt bestehen. Außer der Erde und den Bergen. (vgl. S. 208 und weitere, Todeslied der Cheyenne).

 

Mein Fazit

Zeke und Abby in den ersten Jahren ihrer Ehe, zerrissen zwischen zwei Welten, am Beginn des Endes des freien Lebens in der Prairie. Nichts lebt lang. Nichts bleibt bestehen. Außer der Erde und den Bergen. Oft, zu oft wird man an den Todesgesang der Cheyenne erinnert. Was furios begann, steigert sich hier. Diese Reihe macht (lese-)süchtig.

 

Über die Autorin

Rosanne Bittner wurde 1945 geboren und begann schon während der Schulzeit zu schreiben. Ihr erstes Buch verkaufte sie 1983; bisher sind über sechzig Romane von ihr erschienen. Sie ist seit 1965 verheiratet und zweifache Mutter. Sie lebt in der Nähe des Lake Michigan.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

445 Seiten, kartoniert
Verlag: ZEBRA Books, Kensington Publ. Corp. New York NY 1984; 4. Auflage 1996. ISBN-10: 0-8217-5343-6; ISBN-13: 978-0-8217-5343-9

 

Sinngemäße Übersetzungen:
* = Diese Reise würde Zeke und Abby sowie die gesamte Nation der Cheyenne eine Straße entlang führen, von der es kein Zurück mehr gab.
** = Es schien, als ob das Leben ein Gewirr von Liebe und Haß, Leben und Sterben, Begrüßen und Verabschieden war. Er wollte weinen, doch er konnte nicht.

 

   
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