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Sie fragte nicht: „Was habe ich davon?“ Sie tat einfach das, was sie für richtig und wichtig hielt. (Seite 10)

 

Cover: Ein leiser SternZum Inhalt

Das ungewöhnliche Leben der Indianerin Sacajawea

Drei Berge, zwei Seen, ein Staudamm und weitere 22 Monumente in Nordamerika tragen den Namen eines Teenagers, dessen Bild auch auf einem Golddollar zu sehen ist: die junge Schoschonin Sacajawea, die 1804 eine wichtige Forschungsexpedition begleitete. Sie wurde auf dieser Reise den Missouri hinab und weiter bis zum Stillen Ozean unentbehrlich für die Crew, die nur aus Männern bestand. Vor 200 Jahren hatten Frauen kaum Rechte, und ein Indianermädchen hatte erst recht nichts zu sagen. Sacajawea aber erkämpfte sich in der von weißen Männern beherrschten Welt durch ihre stille, aber willensstarke Art und ihr großes Wissen Respekt und Anerkennung. Sie war ein leiser Stern ohne Allüren und Skandale.

 

 

Kommentar / Meine Meinung

Jetzt wird es schwierig. Das fängt bei der Zuordnung des Buches zu einer Rubrik ein: Jugendbuch oder historischer Roman? Da Sacajawea für hiesige Jugendliche vermutlich eher weniger interessant, das Buch historisch (soweit ich das beurteilen kann) korrekt ist und der Roman von Joseph Bruchac „Sacajawea“ auch schon hier ist, habe ich es zu den historischen Romanen gezählt. Aber wie gesagt, man könnte drüber streiten.

Um es gleich vorweg zu sagen: das Buch ist aus einem typischen DKZ-Verlag. Herstellerisch gibt es nichts zu meckern. Sauberer Druck, ordentliche Bindung, ansprechende Covergestaltung (gut, darüber gibt es vielleicht verschiedene Meinungen). Satzfehler sind mir keine aufgefallen, während ich in den meisten Büchern aus großen Verlagen heutzutage mindestens einen finde. Meist viel mehr. Soweit ist alles im grünen Bereich.

Problematisch wird die Beantwortung der Frage, ob das Buch korrigiert oder lektoriert wurde. Der Verlag spricht auf seiner Homepage zwar von einem Lektorat und Qualitätsansprüchen, aber ich war mir beim Lesen dessen nicht immer so sicher. Ich fürchte, das einzige, was dem Buch fehlt, ist ein richtiges Lektorat bzw. die Arbeit am Text zwischen Autorin und Lektor(in). Denn sicher wäre dann auch eine Landkarte, ein Nachwort oder eine historische Anmerkung enthalten gewesen. Alles Dinge, die dringend fehlen und jemanden, der ohne Vorkenntnisse das Buch liest, bisweilen etwas in der Luft hängen läßt.

Ich habe schon in der Schule Sprachanalysen („welche Wortart ist das“, „wie wirkt dieses Wort“ ...) gehaßt mich davor gedrückt und beherrsche das demzufolge heute noch weniger als damals. Drum kann ich hier nur gefühlsmäßig schreiben, wie das Buch auf mich wirkt. Es fällt mir schwer, das Buch sprachlich einzuordnen. Für ein reines Erwachsenenbuch ist die Sprache zu einfach, die Sätze zu kurz ohne weitere Ausschmückungen oder Beschreibungen. Für Jugendliche könnte es auf Dauer etwas trocken, hölzern, farblos sein. Die (mir bekannte) Geschichte wird geradlinig durcherzählt, ohne daß bei Höhepunkten das Herz zu schlagen beginnt. Thomas Jeier oder Robert J. Conley (Cherokee) verwenden eine ähnlich geartete Sprache, aber dennoch liegen Welten dazwischen. Habe ich bei den beiden letztgenannten Autoren das Gefühl, irgendwo in der Prärie am Lagerfeuer zu sitzen und eine Geschichte erzählt zu bekommen, so hat sich dieses Gefühl hier zu keiner Zeit eingestellt. Es wirkte ein bißchen wie gewollt und nicht erreicht. Oder noch härter ausgedrückt: wie eine längere Hausarbeit für Deutsch in einer höheren Klasse. (Ich entsinne mich an eine solche, wo die Vorgabe "mindestens 12 Seiten" war. Hier könnte sie gelautet haben "112 Seiten".)

Ich habe ein paar Vorkenntnisse zur Person Sacajaweas und kürzlich das erwähnte Buch von Joseph Bruchac „Sacajawea“ gelesen. Vom historischen Ablauf her sind die Ereignisse hier im Buch korrekt wiedergegeben, bisweilen mit kurzen Zitaten aus den Expeditionstagebüchern. Daß das Kapitel über die Kindheit mit Sicherheit der Phantasie der Autorin entspringt, dürfte klar sein; jedoch ist es sehr glaubhaft geschrieben. Es wird keine Legendenbildung betrieben, sondern einfach der Versuch unternommen, die fehlenden Jahre mit etwas Leben zu erfüllen. Und irgendwann mußte Sacajawea ja die Kenntnisse erwerben, die sie hatte und die sie für die Expedition so unentbehrlich machten. Es liegt nahe, daß ihre Mutter die Lehrmeisterin war.

Die Autorin geht davon aus, daß Sacajawea als alte Frau 1884 starb. Die offiziell herrschende Lehrmeinung besagt, daß sie schon um 1812 gestorben sei. Es gibt jedoch seit langer Zeit auch die Theorie, daß sie alt wurde. Ein Buch dazu liegt auf meinem SuB.

Gefallen hat mir, daß die Autorin an manchen Stellen Ausblicke auf die Zukunft eingewoben hat. Etwa auf Seite 47: Er entdeckt noch weitere vier Fälle auf den nächsten 66 Kilometern. In 150 Jahren wird nichts mehr von der grandiosesten Aussicht übrig sein. Man baut dann einen Staudamm an dieser Stelle.

Auf Seite 78 scheint andererseits auch die Tragik der Gestalt Sacajaweas auf. Ohne ihre Hilfe, ohne ihre Teilnahme an der Lewis und Clark Expedition wäre diese vermutlich gescheitert. Sie hat so indirekt (und ohne das zu wollen) mit zum Untergang der indianischen Welt beigetragen: Wir wissen heute, dass damit auch gleichzeitig die teilweise Ausrottung ganzer Indianerstämme einherging. Das war die Kehrseite der Medaille. Als Folge der Landerschließung vertrieb man die Indianer, brachte sie mit todbringenden Krankheiten in Berührung und verbannte, verfolgte und tötete sie schließlich.

Dennoch, trotz der (sprachlichen wie ausstattungsmäßigen) Mängel: solange es nichts anderes gibt, sollte man zu diesem Buch greifen. Historisch wie gesagt korrekt, lesen sich die 112 Seiten recht schnell durch. Mit diesem Vorwissen gelingt dann vielleicht der Sprung zu einem der zahlreichen lieferbaren englischsprachigen Bücher, etwa dem schon erwähnten von Joseph Bruchac „Sacajawea“, oder gar der über 1400 Seiten starken Biographie von Anna Lee Waldo.

Gibt man das Stichwort „Sacajawea“ im Verzeichnis lieferbarer Bücher ein, ist dieses Buch hier das einzige, welches (als lieferbar) auftaucht. Schade, daß diese kleine Frau, die einen so großen Einfluß auf die Eroberung des Amerikanischen Westens hatte, hierzulande so wenig bekannt ist und gewürdigt wird.

 

Kurzfassung

Das m. W. derzeit einzige lieferbare Buch in deutscher Sprache über Sacajawea. Historisch korrekt weist es etliche sprachliche Mängel (s. o.) auf. Interessant als erste Information, ggf. als Vorbereitung zur Lektüre eines der vielen englischsprachigen Werke über Sacajawea.

 

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Bibliographische Angaben

112 Seiten, kartoniert Verlag: Frieling Verlag, Berlin 2005

Ursprünglich geschrieben am 13. Juli 2009