Wenn du ein Modoc wärst, ein wahrer Modoc, würdest du den Mount Shasta betrachten und Ehrfurcht empfinden, denn dort wohnt der Sonnengott. Der große Berg ist ein Geschenk, ein Segen, das Werk von Händen, die unser Verständnis übersteigen. Das ist es, was wahrer Glaube ist, Jed. Jenseits des Verstehens.* (S. 105)

Cover: Spirit of the EagleZum Inhalt

Jed hat als einziger von achtzig Soldaten schwer verwundet einen Kampf gegen Sioux überlebt - seither haßt er Indianer. Luash ist die Nichte des Anführers einer Gruppe von Modocs, die die Reservation verlassen haben, um wieder gemäß ihren Traditionen zu leben.
Als Jed der Truppe, die die Modocs zurück ins Reservat bringen soll, als Berater zugeteilt wird (er ist der Einzige mit Erfahrung in Indianerkämpfen), kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung der beiden. Er, der an nichts mehr glaubt und sie, die tief in den Mythen ihres Stammes verhaftet ist. Eigentlich sollten sie sich hassen - doch sie vermögen es nicht. Immer wieder treffen sie aufeinander und können den Lauf der Geschichte doch nicht ändern.
Die Ereignisse spitzen sich zu in jenen Jahren 1872/1873 während des „Modoc War“. Doch da ist noch der Adler, der seine schützenden Schwingen über Luash ausbreitet und der Jed an seinem Unglauben verzweifeln läßt. Ob es trotz des Untergangs der Modoc eine Zukunft für die beiden gibt?

 

 

Meine Meinung

Ausgelesen. Und nun sitze ich da, noch ganz gefangen von dem Gelesenen, die Gedanken schwirren unsortiert durch den Kopf und wollen irgendwie in eine sinnvolle Reihenfolge und Zusammenhang gebracht werden.

Kürzlich habe ich das Buch „The Man from Forever“ derselben Autorin gelesen, in welchem ein „Geistkrieger“ der Modoc vorkam. Dort wurden die Ereignisse des „Modoc War“ 1872/1873 erwähnt, die mich nun näher interessierten. Genau jener Indianerkrieg ist das Thema dieses Romans. Ein Blick in ein Geschichtsbuch zeigt, daß die Autorin die Geschichte sehr nah entlang den historischen Begebenheiten jener Zeit erzählt. Durch die fiktiven Hauptfiguren Jed und Luash erhält man einen guten Einblick in die Sichtweise beider Seiten - der „Weißen“ wie der „Roten“.

Man stelle sich vor: um rund fünfzig Krieger (sowie rund einhundertzwanzig Frauen und Kinder) zu besiegen, bedurfte es einer Armee von rund eintausend Mann! Den Modocs kam die genaue Kenntnis des Landes - ihres Landes - zugute, und teilweise wohl auch eine gewisse Unfähigkeit auf „weißer“ Seite.

Sehr geschickt läßt die Autorin zwei fiktive Hauptfiguren auftreten: Jed Britton wird als erfahrener Indianerkämpfer quasi als Berater des Kommandanten des Zuges gegen die Modocs dorthin entsandt; in einem einleitenden Kapitel erfahren wir, wodurch er zum „Indianerhasser“ geworden ist. Luash wiederum ist die Nichte des Anführers der Modocs. Als sich beide zum ersten Mal begegnen, sind sie voneinander fasziniert. Sie, die Indianerin, fest verwurzelt in der Geschichte und den Mythen ihres Stammes, er ein innerlich toter Soldat, der durch furchtbare Erlebnisse in der Kindheit im Bürgerkrieg sowie später als Soldat jeden Glauben an irgendetwas verloren hat. Und dann ist da noch der Adler, dessen Schrei von Weitem zu hören ist, der wieder und wieder zu Luash kommt - zwischen beiden besteht eine seltsame Verbindung.

Luash wie Jed fühlen zueinander hingezogen, obwohl sie sich auf feindlichen Seiten gegenüber stehen. Sie wollen sich hassen - und können es doch nicht. Auf diese Weise erfahren wir als Leser quasi aus erster Hand die Ansichten und Handlungen beider Kriegsparteien. Wie diese sich entwickelt, will ich hier nicht weiter erwähnen. Das ist in Geschichtsbüchern (oder eben hier im Roman) nachzulesen.

Die Autorin hat sowohl die Geschehnisse wie auch die Umgebung, in der sich alles abspielt, sehr gut geschildert. Vor dem inneren Auge lief beim Lesen die Handlung wie ein Film ab, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Durch Luash und Jed werden dabei auch die Denkweisen und Motivation beider Seiten deutlich. Wie fast immer, kämpften die Indianer auf verlorenem Posten um ihr Land, ihre Geschichte, ihre Traditionen - um ihre Lebensweise. Mit bekanntem Ausgang.

Wie schon in den anderen Büchern der Autorin, die ich bisher gelesen habe, kann man auch hier davon ausgehen, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als man rational erklären kann. Hier spielt sogar der Buchtitel darauf an. Denn wenn gegen Ende alles in ein Desaster zu münden scheint, fliegt hoch über dem Land der erloschenen Feuer der Adler und läßt weithin seinen hoffnungsvollen Schrei erschallen. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren.

 

Mein Fazit

Im die historischen Ereignisse des „Modoc Wars“ (1872/1873) hat die Autorin die Geschichte um Jed, den Soldaten und Luash, der Indianerin eingeflochten. Spannend, emotional und doch entlang der historischen Geschehnisse entspinnt sich ein Roman, der eine untergegangene Welt zum Leben erweckt.

 

Über die Autorin

Vella Munn stammt aus North Carolina und lebt heute in Oregon. Sie ist verwitwet, hat zwei Söhne und vier Enkelkinder. Bisher hat sie über einhundertfünfzig Bücher veröffentlicht (Angabe auf ihrer Webseite).

Originaltext und Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

* = If you were a Modoc, true Modoc, you would look at Mount Shasta and feel awe because that is the home of Sun God. The great mountain is a gift, a blessing, the work of hands beyond our understanding. That is what true belief ist, Jed. Beyond understanding.

352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Reihe: Soul Survivors (Native American Heart) 2
Verlag: Forge / Tom Doherty Associates In., New York / N.Y. 1996
ISBN-10: 0-312-86096-X; ISBN-13: 978-0-312-86096-7

 

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