Es ist einige Jahrzehnte her, daß ich meine erste Modelleisenbahn bekommen habe. Wobei das am Anfang natürlich eher eine „Spiel-“ denn „Modell“-Eisenbahn war. Ich erinnere mich noch recht genau an dieses Weihnachten in den frühen 60er Jahren, als „ohne Vorwarnung“ eine Trix-Express-Anfangspackung mit einer BR 80, drei Güterwagen, Gleisoval und Trafo unter dem Weihnachtsbaum auftauchten. Gleich am ersten Arbeitstag nach Weihnachten mußte mein Vater in die Stadt und weitere Gleise kaufen, um mehr Betrieb machen zu können.

 

Weiter ging es, wie es damals wohl bei vielen ging: im Januar wurde die Eisenbahn für den „Sommerschlaf“ abgeräumt und in Kartons verstaut. Zur Adventszeit dann wurde im Kinderzimmer geräumt, um etwa 2 x 1 m Fläche frei zu bekommen. Da hat sich mein Vater dann „ausgetobt“ und eine Saisonanlage aufgebaut - mit Schienen, Häuschen (was damals identisch mit Faller-Häuschen war) und einer Landschaft. War die Weihnachtszeit vorbei, wurde die Anlage - unter Protest und Tränen meinerseits - abgebaut und weggeräumt. Monate später begann das „Spiel“ von vorne. Leider existieren von diesen Anlagen weder Fotos noch Zeichnungen, nur wenige Faller Häuser haben bis heute - teils heftig ramponiert - überlebt und halten so die Erinnerung an die frühe Kinderzeit wach. Nicht überlebt hat leider der von meinem Vater mit viel Geduld und Fantasie erbaute „Tunnelberg“ - mit Bach, Wassermühle, Bäumen und vor allem echten Steinen. Da er einige ordentliche „Wacker“ mit verbaut hatte, hatte das Teil ein recht ansehnliches Gewicht.

Einige Jahre später, ich war wohl um die 12 bis 14, wurde im Haus ein Keller frei, welcher als Eisenbahnkeller angemietet wurde. Hier habe ich dann viele Stunden verbracht und hatte, wenn ich rückblickend an meine seinerzeitigen Möglichkeiten dachte, doch eine ganz ordentliche Anlage im Bau - die aber leider nie fertig wurde. Vermutlich hat mir schon damals das Spielen - ähm ich meine natürlich das Fahren lassen der Züge nach einem (allerdings nicht vorhandenen) Fahrplan mehr Freude bereitet als langwieriges Bauen. Als denn die Schienen verlegt, die Weichen angeschlossen und die Landschaft grob in Gips fertig war, war’s das mit dem Bauen und ich habe vor allem Züge fahren lassen. Auf Grund der Verdrahtung konnten (da war alles rein analog!) sogar zwei Züge gleichzeitig ihre Runden drehen.

Das war insofern nicht ganz selbstverständlich, als ich zu der Zeit auf dringendes Anraten meines damaligen Fachhändlers von Trix Express auf Trix International, wie das seinerzeit hieß (also Zweileiter-Gleichstrom) umgestellt habe. Damit ich seinen Rat auch umsetzen konnte, hat er mir alle Loks und Wagen zum Selbstkostenpreis (also reine Materialkosten) umgebaut. Für die Trix Express BR 42 habe ich, als teuerste von allen Loks, um die 15,00 DM bezahlt (nachdem ich sie von einem Schulkameraden für DM 40,00 gebraucht erworben hatte) - für mich damals eine ordentliche Summe. Nur die S 3/6 und die 64 konnte er nicht umrüsten, die habe ich seinerzeit verkauft. So einfach die Modelle auch waren, trauere ich ihnen heute noch nach. Zumal die BR 64 seinerzeit auf der Strecke Aschaffenburg - Miltenberg eine häufige Zuglok war. Heute würde eine solche Umrüstaktion vermutlich weder angeboten noch durchgeführt, und wenn zu Preisen, die nicht unbedingt mit dem nicht allzu hohen Taschengeld eines Schülers kompatibel wären. Die Loks sind übrigens immer noch betriebsfähig und im Einsatz, wenngleich derzeit auch nur auf einem Testoval.

Jedenfalls, und jetzt endlich komme ich zum eigentlichen Kern dieses Beitrages, habe ich mich damals weder um Epochen (kannte man die damals schon? - ich jedenfalls nicht) noch um epochenreine Züge gekümmert. Gekauft (bzw. zu Weihnachten gewünscht) wurde, was gefiel. Und so waren auch die Zugkompositionen.

Irgendwann war die Jugend vorbei, und es hieß von zuhause auszuziehen. Seither hat es zu keiner „richtigen“ Anlage mehr gereicht. Immer, wenn die Gleise fertig verdrahtet und benutzbar waren, hieß es umziehen. In der letzten Wohnung, in der ich immerhin rund zweiundzwanzig Jahre gelebt habe, wollte ich dann klüger sein, und habe die Modellbahnanlage gleich transportabel geplant. Das hätte auch funktioniert, allerdings ließen sich die drei Segmente nur auf eine Art kombinieren - und genau diese eine Art läßt sich im jetzigen Haus durchaus nicht aufstellen. Da wir jetzt im eigenen Haus leben, hoffe ich, daß nur noch ein Umzug bevorsteht. Nämlich der, den jeder Mensch irgendwann vor sich hat - den auf den Friedhof. Bis dahin habe ich, so Gott will, wie meine Oma immer zu sagen pflegte, hoffentlich noch viele Jahre Zeit. Jahre, in denen ich es endlich wieder zu einer richtigen Anlage, also einer mit Häusern und Landschaft, bringen möchte.

Dieses Mal aber soll es zum Einen eine Modellbahn (und keine Spielanlage) werden, und zum Anderen will ich - vorsichtshalber - die Erfahrungen meines Lebens berücksichtigen und die Anlage vollständig transportabel und flexibel bauen: also aus lauter einzelnen Modulen und Segmenten, die sich mittels Adapterstücken in verschiedenen Reihenfolgen aufbauen lassen. Auf eine einzige Epoche (heute kenne ich diesen Begriff) will ich mich immer noch nicht festlegen. Jedenfalls, was das rollende Material betrifft. Was die Ausgestaltung betrifft, aber schon. Und genau hierzu sollen die Beiträge dieses Threads dienen.

Hier will ich an zentraler Stelle die Grundsätze beschreiben, die ich allen Dioramen, Modulen und Segmenten zugrunde legen will, damit eine konsistente und in sich schlüssige Modellwelt entstehen kann. Etwas lockerer sehe ich es, wie schon gesagt, mit dem rollenden Material. Das wird epochenmäßig nicht immer zur Umgebung passen; jedoch sollen Züge „epochenrein“ sein. Denn auch, wenn meine Vorliebe einer ganz bestimmten Epoche und Eisenbahngesellschaft gilt, so gibt es doch Kindheits- und Jugenderinnerungen (ich bin neben einem kleinen Güterbahnhof aufgewachsen), die ich durch so manches Modell auffrischen will. So viel Flexibilität muß schon sein, auch wenn Puristen sich dabei möglicherweise die Fußnägel aufrollen. Aber deren Ansprüchen kann und will ich ohnehin nicht genügen.

Nach dieser langen und ausführlichen Vorrede in den kommenden Beiträgen also die Grundsätze, die ich für alle meine künftigen Dioramen, Module und Segmente anwenden möchte. Und damit, so hoffe ich, den Sprung von der Spiel- zur Modelleisenbahn schaffe.

Also denn.

 

 Ursprünglich geschrieben am 29. Mai 2020

 

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